über Ted Ligety
02/15/2013

Slalom zwischen Obama und Putin

Der Dreifach-Weltmeister warb für den Präsidenten der USA und überraschte den russischen.

Am Freitag fuhr er in seiner Lieblingsdisziplin Riesenslalom mit der Konkurrenz Schlitten.

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Applaus für Marcel Hirscher. Silber stärkt dem Salzburger vor dem Slalom am Sonntag den lädierten Rücken. Ski-Österreich freut sich über die fünfte WM-Medaille. Aber auf der Medal Plaza wurde am Freitag bereits zum dritten Mal die US-Hymne gespielt. Obwohl Lindsey Vonn verletzt und Bode Miller in diesem Winter nur Zaungast ist.

Als sich die Erfolge des vom Söldener Tourismus gesponserten US- Ski-Teams abzeichneten, reagierte ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel mit einem im Bobsport üblichen Ausdruck. Er nannte die US-Mannschaft Österreich II – darauf anspielend, dass alle Steuermänner der Amerikaner (angefangen von Sportdirektor Patrick Riml) Österreicher sind.

Inzwischen ist Ted Ligetynicht zu bremsen. Am Freitag fuhr er in seiner Lieblingsdisziplin Riesenslalom mit der Konkurrenz Schlitten.

Dank Ligetys dritter Goldenen liegt Österreich II, pardon die USA, in der Medaillenwertung auf Rang eins.

Und heute „droht“ der vierte Streich, sofern das vom Vorarlberger Kilian Albrecht gemanagte Ski-Wunderkind Mikaela Shiffrin, 17, seine Weltcup-Form auch im WM-Slalom bringen kann. In diesem Fall dürften die Amerikaner bei ihrer Heim-WM in Vail/Beaver Creek 2015 in vier Bewerben gleich fünf Starter stellen. Noch aber ist Sotschi 2014 das große Ziel. Bei diesen ersten Winterspielen am Schwarzen Meer wird für die Gastgeber im Alpinbereich schwarzgesehen: Ein 24. Rang von Daria Astapenko war das bisher beste russische WM-Resultat.

So viele Russen in den Alpen auch Skiferien machen, so wenig wirkt sich die Ski-Begeisterung der Upperclass auf den Rennlauf aus.

Nächste Woche wird der (steirische) Pistenchef der Olympia-Pisten, Wolfgang Mitter, bei den russischen Meisterschaften in Sotschi zusätzliche Richtungsänderungen einbauen lassen, weil sonst etliche die Abfahrtsgeneralprobe nicht überleben würden.

Dabei haben die Russen in der Ramsau, neun kurvenreiche Kilometer oberhalb Schladmings, bis 2014 ein ganzes Haus gemietet für ihre Olympia-Vorbereitungen.

Auch Wladimir Putins Töchter sind immer wieder in der Dachstein-Region (unter anderem mit Mitter) unbehelligt von der Öffentlichkeit Ski gefahren. Seit eine Zeitung ein Foto veröffentlichte, das die beiden auf der Planai zeigte, tauchten sie nie wieder auf. Auch auf deren Papa werden die Schladminger beim WM-Finale wohl vergeblich warten.

Putins Ski-Interesse soll, wie Putin-Intimus Karl Schranz versichert, aber ungebrochen sein. Unvergessen wird für Schranz, Alpindirektor Hans Pum, Mario Matt, Felix Neureuther plus den KURIER-Augenzeugen bleiben, wie Putin just an dem Tag (3. 1. 2009), an dem der Gaskrieg mit der Ukraine weltweit die Medien beschäftigte, den Weltcuptross nach dem Parallelrennen in Moskau für einen Nachmittag mit einer Gazprom-Maschine nach Sotschi einfliegen ließ. Nur Miller verweigerte den Blitzbesuch. Sein Teamkollege indes klopfte Putin als Dank für ein opulentes Mahl jovial auf die Schulter und drückte ihm einen Pin mit der Aufschrift „Vote for Obama“ in die Hand.

Der Name des unbekümmerten Wahlwerbers für Barack Obama: Ted Ligety.