Mister Präsident und der große Unterschied

Freund und Feind: Als Savicevic noch ein Rapid-Leiberl trug.

Dass sich so ein Ausnahmekicker nach Österreich locken lässt, ist heute unmöglich

über Dejan Savicevic

Rekord beim Rekordmeister. Rapid meldet mehr als 11.000 Mitglieder. Eines der prominentesten hofft am Sonntag allerdings auf eine österreichische Niederlage. Was nichts damit zu tun hat, dass kein Rapid-Spieler dem 23-Mann-Teamkader angehört.

Dejan Savicevic, der zwischen 1999 und 2001 in 45 Spielen 23-mal für Rapid getroffen und der von seinem Ex-Klub vor elf Monaten wie mittlerweile 4000 weitere Neuangemeldete den grün-weißen Mitglied-Ausweis bekommen hat, ist Fußballpräsident der acht Jahre jungen Republik Montenegro. Dort blieb trotz des peinlichen 0:0 in Liechtenstein eine vernichtende mediale Schelte aus.

Nicht ein einziger Journalist begleitete die Mannschaft ins Fürstentum. Es war im Vorfeld sogar gutgeheißen worden, Torjäger Mirko Vucinic (früher Roma, Juventus) auf die Ersatzbank zu setzen und ihn so für das Spiel in Wien zu schonen.

Der Respekt scheint groß zu sein vor der österreichischen Mannschaft, zumal Marcel Koller sie ausnahmslos aus Auslandsprofis bilden wird. Und die Zahl der Legionäre gilt, sofern die nicht bloß Bankerldrücker bei No-Name-Klubs sind, als Qualitätsmerkmal.

Das (gegen Kongo spielende) Unter-21-Team miteinbezogen, können ÖFB-Auswahltrainer an diesem Wochenende bereits unter 27 Legionären wählen. Um die Jahrtausendwende war das noch völlig anders.

Da mussten U-21-Coach Ernst Weber und dessen Nachfolger Willibald Ruttensteiner in der Regionalliga auf Spielersuche gehen.

Da wurde lieber am Balkan eingekauft, als ein talentiertes Migrationskind aus der eigenen Jugendabteilung gefördert – oft auch, weil Funktionäre bei Osttransfers "mitschneiden" konnten.

Da durfte kein junger Österreicher auf einen Auslandswechsel hoffen, wenn er nicht einmal in der österreichischen Liga zum Zug kam.

Da liefen unter Frank Stronach bei der Austria, oft aber auch beim Rivalen Rapid oder in Graz bis zu acht, neun nicht fürs Nationalteam einsatzberechtigte Profis ein. Legionäre, die hochanständig, aber oft nur Durchschnitt waren und der eigenen Jugend den Weg verstellten.

Auf Champions-League-Gewinner Savicevic (1994 mit Milan 4:0 gegen Barcelona), traf dieser Vorwurf nie zu. Von Il Genio konnten alle nur lernen. Dass sich so ein Ausnahmekicker nach Österreich locken lässt, ist heute unmöglich. Nämlich so, als würde Cristiano Ronaldo ab 2015 für Rapid stürmen.

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