Kolumne von Wolfgang Winheim über Finanznöte bei Traditionsvereinen
11/03/2012

Im Wachkoma

Die Vienna und der Sportklub würden nicht einmal dann aus dem Minus finden, wenn die Spieler so viele bekämen wie die Fußball-Damen nach Länderspielsiegen. Nämlich gar nix.

Den Niedergang der Woche erlebte eine trauernde Fußballgemeinde in Graz

| Kolumne von Wolfgang Winheim über Finanznöte bei Traditionsvereinen

Das Schützenfest der Woche gelang Österreichs Fußball-Mädchen: 10:0 in der U-19-EM-Qualifikation gegen Kroatien. Vor ein paar Jahren noch wären sie selbst zweistellig deklassiert worden. Der starke Aufschwung des schwachen Geschlechts ist unverkennbar, das Damen-A-Team scheiterte erst im Play-off gegen Russland als technisch besseres Team. Die U-19 hatte vor ein paar Wochen sogar Deutschland 1:0 besiegt.

Auch die gleichaltrigen Burschen waren in der EM-Qualifikation in Schusslaune: 9:0. Zwar hieß das Opfer des Kegelscheibens Andorra. Doch selbst wenn statt laufenden Schießbudenfiguren nur elf Klappstühle im Wege stehen, müssen "Alle Neune" erst gelingen.

Den Niedergang der Woche erlebte eine trauernde Fußballgemeinde in Graz: Unmittelbar vor Allerheiligen wurde der GAK nach langem Leiden zu Grabe getragen. Der Koma-Patient, der 2004 Meister geworden war, starb im 101. Lebensjahr an den Spätfolgen von Großmannsucht. Der Masseverwalter ließ keine Wiedergeburt zu. Das Regionalliga-Spiel Pasching – GAK fand gestern nicht mehr statt.

Auch in Linz und Wien garantiert Tradition weder Geld noch Tore. Auch der LASK, Vienna und Sportklub kämpfen ums Überleben. Der LASK wurde zwangsdelogiert, darf in Linz nicht mehr spielen. Dennoch qualifizierten sich die Ausgebooteten für das Cup-Viertelfinale.

Auf der Hohen Warte in Döbling ist die 118 Jahre alte Vienna trotz jüngster sportlich gelungener Wiederbelebungsversuche finanziell reif für die letzte Ölung. Und dem Sportklub fehlt sogar das Geld, um die feuchten Kabinen vom Schimmel zu befreien. Bis zu 2000 Fans, darunter viele, die selbst mit dem Existenzminium auskommen müssen, stehen trotzdem regelmäßig auf der baufälligen Dornbacher Tribüne.

Die ehemaligen Oberhausvereine übernehmen auch soziale Aufgaben, indem sie jeweils bis zu neun Nachwuchsmannschaften beschäftigen. Pensionisten werden zu Idealisten und Rettungsengel. Doch Energie- plus Instandhaltungskosten explodieren.

Sind inzwischen so hoch, dass Vienna und der Wiener Sportklub nicht einmal dann aus dem Minus fänden, wenn ihre Profis so viele bekämen wie die Fußball-Damen nach Länderspielsiegen. Nämlich gar nix, außer einem warmen Händedruck.

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