übers Trend setzen
06/03/2016

Setzen statt draufsetzen

von Anna-Maria Bauer

Hierzulande werden Veränderungen nämlich erst einmal sehr und danach äußerst kritisch beäugt.

Anna-Maria Bauer | übers Trend setzen

Rooftop-Party im 25hours-Hotel, Open-Air-Kino am Naschmarkt, Vienna Food Festival im Rathaus oder Yoga-Stunde im Esterhazypark. Wenn ich in dem sozialen Netzwerk meines Vertrauens durch die Eventleiste scrolle, weiß ich vor lauter hippen Angeboten gar nicht, wohin zuerst.

Da könnte glatt der Eindruck entstehen, dass Wien richtig trendy geworden ist. Und für Wiener Verhältnisse ist es auch beeindruckend, wie viele Veranstaltungen dazugekommen sind. Einzig: Neu sind die Events für die Wiener, nicht aber für den Rest der Welt.

Wenn man nach New York, Paris, London oder Berlin auf Urlaub fährt, kann man sich sicher sein, dass das, was dort gerade in ist – seien das Flohmärkte, Blümchen-Westen oder Craft Beer –, erst nach mehrjähriger Wartezeit zu uns schwappt. "Österreich kreiert keine Trends, sondern setzt sich drauf", brachte es ein Wiener Creative Director einmal auf den Punkt.

Aber warum ist das eigentlich so? Meine Theorie: Es fehlt nicht an Pionieren, sondern an "Early Adopters", also an jenen frühen Unterstützern, die Neues entdecken und Schritt für Schritt massentauglich machen. Hierzulande werden Veränderungen nämlich erst einmal sehr und danach äußerst kritisch beäugt.

Das war schon vor 100 Jahren so, als Adolf Loos am Michaelerplatz sein Looshaus erbaute, das den Wienern so gar nicht in das imperiale Prunkambiente der Innenstadt passen wollte. Dafür erntete der junge Architekt nicht nur Kritik, sondern auch Beleidigungen. Der Kaiser soll sogar die Fenster der Hofburg, die in diese Richtung gingen, vernageln haben lassen.

Und heute wird immer noch ähnlich reagiert. Man denke an den Aufschrei beim Umbau der Mariahilfer Straße oder die Protest-Facebook-Gruppe, als die Öffi-Durchsage-Stimme abgelöst wurde.

Damit das mit dem "Trend-setzen-statt-Draufsetzen" aber auch bei uns klappt, hilft nur eines: Einfach mal mutig sein.

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