Meinung | Kolumnen | Stadtgeflüster
12.12.2017

Feuchtfröhliche Adventzeit

Sind die immer so verraucht, wie man es aus "Die Geister, die ich rief" kennengelernt hat?

Anna-Maria Bauer | über Firmenweihnachtsfeiern

Es ist lustig, wie sich Assoziationen zu Jahresabschnitten ändern. Früher war der Dezember die aufregende Zeit, die nach Bratäpfeln und Marzipan roch. Heute ist der Advent jene Zeit, in der man abends kein Taxi bekommt, weil die ganze Stadt auf Firmenweihnachtsfeiern zu sein scheint.

Firmenweihnachtsfeiern wiederum gehören zu jener außergewöhnlichen Spezies an gesellschaftlichen Ereignissen, die man durch Film und Fernsehen kennenlernt, bevor man ihnen beiwohnen kann. Die Folge ist eine Reihe an Erwartungen. Einige schließt man natürlich gleich wieder aus. Etwa, dass Bruce Willis wie in "Stirb Langsam" die eigene Firmenweihnachtsfeier retten würde. Andere Szenen beschäftigen einen länger. Etwa: Sind Firmenweihnachtsfeiern immer so verraucht, wie man es aus "Die Geister, die ich rief" kennengelernt hat? (Wie es derzeit aussieht, wäre das zumindest rechtlich möglich.) Enden Personen, die das Jahr über keine drei Wörter gewechselt haben, eng tanzend wie Sarah und Carl aus "Tatsächlich Liebe"? (Soll vorkommen.) Und natürlich die brennendste Frage: Lassen Partygäste – ebenfalls gesehen in "Die Geister, die ich rief" – im betrunkenen Zustand wirklich ihren Allerwertesten kopieren? (Hier warte ich noch auf eine Weihnachtsfeier, bei der ein Kopierer im Partyraum steht.)