Meinung | Kolumnen | Stadtgeflüster
04.09.2017

Der eigentliche Neujahrstag

Denn ist nicht der erste Montag im September der wahre Neujahrstag?

Anna-Maria Bauer | über alternatives Neujahr

Frohes, neues Jahr!

Dieser Satz sollte heute eigentlich nicht nur an die 1,12 Millionen Schülerinnen und Schüler gerichtet werden, für die das neue Schuljahr anbricht. Sondern an alle. Denn ist nicht der erste Montag im September der wahre Neujahrstag? Ist nicht der Herbst die eigentliche Zeit für Neuanfänge?

Nicht nur, weil es Zeit für neue Kleidung (Herbstzeit ist Garderobenwechselzeit, das ist einfach so) und die sehnsüchtig erwarteten neuen Serienfolgen (etwa die dritte Staffel Narcos) ist. Auch neue Projekte nehme ich grundsätzlich im Herbst in Angriff, nachdem ich sie in den heißen Sommermonaten erfolgreich vor mir hergeschoben habe (und diesmal klappt es übrigens mit dem Französisch-Kurs ganz bestimmt).

Ich glaube, es liegt am Wind.

Am frischen Herbstwind, der die Trägheit der Sommermonaten aus den Gassen vertreibt. Das leicht surreale Gefühl der Unbesiegbarkeit, das einen erfasst, wenn man in den Hochsommernächten durch die aufgeheizten Gassen der Stadt schlendert, ist wieder verschwunden. Ebenso wie die Dutzenden sommerlichen Vergnügungsangebote von den Parks und Plätzen. Nun sind die Wienerinnen und Wiener wieder da. Das merkt man im morgendlichen Verkehrsstau ebenso wie im Kampf um den Sitzplatz in der U-Bahn. Der langsame Urlaubsmodus hat der geschäftigen Ernsthaftigkeit Platz gemacht. Aber das ist Okay.

Schade ist einzig, dass dieser Neujahrstag zu wenig gefeiert wird. Eigentlich nur von Erstklasslern und deren Eltern, die sich heute bereits um acht Uhr früh im Kaffeehaus ums Eck der Schule einfinden, herausgeputzt im besten Sonntagskleid mit leicht stolzem Lächeln auf den Lippen. Bis zum frühen Nachmittag vibrieren die Plätze rund um Schulen dann vor Stimmengewirr und Aufregung. Allzu lang hält die ausgelassene Feierstimmung aber auch hier nicht an. Es gilt die letzten Besorgungen zu machen, sich vorzubereiten.

Denn sie ist wieder da, die Aufbruchstimmung, die der Herbstwind im Gepäck hat.