Sex in der Freizeit
02/27/2016

Pas de deux

„Es gibt nichts, das besser ist als guter Sex. Aber schlechter Sex? Ein Sandwich mit Erdnussbutter und Marmelade ist besser“, sagte der Sänger Billy Joel einmal. Stimmt. Und es stimmt ebenfalls, dass guter Sex stets die hohe Kunst des Einfühlens bedingt: Wie man den anderen Menschen anfasst, küsst – und nimmt.

von Gabriele Kuhn

Mit Sex die Welt retten, das hätte doch was. Jeder Koitus ein Puzzlestein für ein besseres Miteinander, quasi als ökologischer Kuss-Abdruck des großen Ganzen. Das Zauberwort dazu? Empathie! Ein-Fühlungs-Vermögen. Mit ein bisschen mehr Gespür für den anderen Menschen und das, was er braucht. Mit Hinwendung und Zuwendung würde nämlich nicht nur das sexuelle Miteinander besser, sondern jede Form des Zusammenlebens. Wer andere Menschen spüren und annehmen kann, macht das Leben eine Spur wertvoller und friedlicher. Und das nicht nur, wenn es darum geht zu vögeln oder gevögelt zu werden. Ein sehr schönes Beispiel kommt von der D. Die D ist zwar nicht mehr die Jüngste, aber jung genug, um nach ihrer Scheidung das zu tun, wonach ihr ist: schnackseln, was geht. Nicht zwingend mit jedem, sondern mit auserwählten Herren, von denen sie findet, dass sie ihr gut zu Gesicht und Vagina stehen. Unlängst beklagte sie am Telefon die Unsitten der Herren – die Art und Weise, wie sie an das Thema „Liebe machen“ herangehen. Lieblos, nämlich, wie D registriert hat, nein, noch mehr: „Liebloser denn je“. Diesbezüglich bemerke sie einen „Sitten“verfall, so in diesem Kontext tatsächlich von Sitten gesprochen werden kann. Eine unangenehme Oberflächlichkeit, die von Tempo und Egoismen geprägt sei. Zwar hätte niemand etwas gegen einen wirklich geilen Quickie, so aus der Hüfte heraus. Aber Non-Stop-Husch-Pfusch in der Horizontale ginge auf Dauer gar nicht. D erinnert sich an ihren letzten Lover. Der war zwei Jahre jünger als sie, also 38, und schien extrem smart, klug, witzig, eloquent. Er roch auch fantastisch. Erst sprach man über Literatur, dann trank man Wein, irgendwann landeten die beiden im Bett ihres Schlafzimmers. D schildert: „Und dann, stell dir vor, macht sich der nicht einmal die Mühe, mich auch nur ansatzweise in Stimmung zu bringen!“ Ein kurzes, fahriges Fingerspiel, dann Eindringlichkeiten. Null Nachfrage, sondern ein Wunsch danach: Gibt’s eh ein Bier bei dir? Anders der Typ, zwei Wochen später: ein Quickie zwar, aber was für einer. „Der Mann wusste genau, was er tat. Jeder Griff saß, jede Berührung schien auf mich abgestimmt. Noch nie habe ich mich so genommen und angenommen gefühlt.“ Intimität meint Intimus – dem Rand am entferntesten, am weitesten innen. Im sexuellen Sinn geht’s da nicht um simples eindringen und eindringen lassen, sondern um Vertiefung. Das Wort „Hingabe“ passt da gut. Hingabe an den Moment, einerseits – aber auch Hingabe an den anderen. Zwei tanzen einen Tanz, bei dem jeweils der Takt des anderen berücksichtigt wird und mitschwingt. Was dazu passt: Sex mit offenen Augen. Herrlich. Er bedingt, dass man sich bedingungslos aufeinander einlässt und die Erregungsmuster des anderen wahrnimmt. Eigene Sinneserfahrungen verschmelzen mit jenen des Partners. Wie viel das mit allem und der Welt zu tun hat, drückte der bekannte Sexualtherapeut David Schnarch sehr schön aus: „Wer dem Partner nicht ins Auge blicken will, sieht vielleicht auch bei anderen Dingen weg oder hat generell Angst, dem Leben ins Auge zu blicken.“

gabriele.kuhn@kurier.at

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