Sex in der Freizeit
03/05/2016

Chrono-Sex

Wer heutzutage etwas tut, tut es längst nicht mehr „einfach so“. Das wäre sehr fad. Man tut also Dinge, weil sie im „Trend“ liegen. Nach der inneren Uhr essen, etwa – rohes Grünzeug zu Mittag, Gekochtes abends. Was das alles jetzt mit Sex zu tun haben soll? Mehr als Sie vermuten würden.

von Gabriele Kuhn

Irgendwas mit „innerer Uhr“. Das ist, wie es so schön heißt: Der! neue! heiße! Scheiß! Vor allem beim Abnehmen. Wer heutzutage ein paar Kilos loswerden möchte, isst nicht einfach nur mehr die Hälfte, sondern vor allem rhythmisch. Also etwa ein Schüsselchen Algen exakt zu Mittag, dazu ein ein paar Karottensticks. Denn „Verzehr in roher Form sollte überwiegend zu Mittag stattfinden“. Währenddessen das Koteletterl mit Bratgemüse idealerweise am Abend im Magen landen sollte. Das Ganze heißt dann Chrono-Diät und dazu gibt es jetzt auch ein neues Buch (Verlag Brandstätter). Die Idee: Biologische Uhren steuern als Schrittmacher alle Körperrhythmen. Zudem gibt es äußere Taktgeber – Licht und Dunkelheit sind die bekanntesten und wichtigsten Rhythmusdirigenten.

Apropos rhythmisch. Rhythmus spielt auch beim Sex eine tragende Rolle – und das nicht nur, wenn es darum geht, dass zwei Liebende rhythmisch dem Orgasmus entgegenhecheln. Nein, nein. Ich denke da etwa an den literarisch wertvollen Satz „Heute nicht, Schatz“, als vermutlich häufigste Wortkombinationen in den Schlafzimmern dieser Welt. Gerne verbrämt mit dem Beisatz „Ich hab’ nämlich so Kopfweh“. Vermutlich ist diese Art, einseitig erwünschten Sex abzusagen, einfach nur eine rhythmische Laune der Natur, die – wer weiß das schon – auf die Ur-Ur-Ur-Rhythmen unserer Ur-Ur-Ur-Ahnen zurückzuführen ist. Die gingen bekanntlich untertags jagen und sammeln und um 18 Uhr, wenn es finster war, schlafen. Heutzutage will ein Mann womöglich um 22.30 nach der ZiB2 noch eine Runde schnackseln. Da hat sich die Dame schon abgeschminkt und schlurft mit Schlafmaske und Thermophor dem Bett entgegen. Auch exogene Faktoren können verdammt tückisch sein. Veritable Rhythmus-Killer sind etwa die Bewohner der Nachbarwohnung in Häusern mit dünnen Wänden. Beispiel: Hat sich das Paar Peppi & Hanni chronobiologisch lautstark auf das Thema „Frühes Vögeln fängt den Wurm“ eingeschwungen, wird dies das Nachbar-Paar Ernsti & Jacqueline, gerne in der Abenddämmerung tätig und langschläfrig, wenig erfreuen. Ein Fall von Asynchronität, die häufig polizeiliche Taktgeber auf den Plan ruft.

Ich habe außerdem den Verdacht, dass sehr viele Männer nicht mit den Rhythmen ihrer Frauen übereinstimmen. Nehmen wir etwa den ultradianen Rhythmus – der besitzt eine Periodendauer von weniger als 24 Stunden. Bekanntestes Beispiel: das stetig wiederkehrende Hungergefühl und die dadurch angeregte Nahrungsaufnahme. Genau – ersetzen Sie das Wort „Hunger“ durch das Wort „Geilheit“ und das Wort Nahrungsaufnahme durch „Bedürfnis nach Geschlechtsverkehr“. Oje. Frauen, vermute ich, unterliegen eher infradianen Rhythmen, die eine Dauer von mehr als 24 Stunden haben – und oft darüber hinaus. Infradiane Rhythmen steuern Sexualität und Darmentleerung. Der Sexualzyklus wird übrigens Brunstzyklus genannt – falls Sie den jetzt googeln wollen, nur so: Sie werden erst einmal beim Thema „Brunstzyklus. Die fruchtbare Kuh“ landen, um dann eine Arbeit zum Thema „Untersuchungen zum Sexualzyklus der Mongolischen Wüstenrennmaus Meriones unguiculatus“ zu entdecken. gabriele.kuhn@kurier.at

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