Meinung | Kolumnen | Sex in der freizeit
05.12.2011

sex IN DER FREIZEIT: Brüste, Vagina, Vampire

Der Internet-Porno, die Männer und jetzt auch noch eine Studie in Buchform. Der spannendste Einblick in weibliche und männliche Sehnsüchte, seit es Wissenschaft gibt.

Porno und Pawlow vom vorletzten Samstag erregte - Männer wie Frauen. Aber dann doch mehr die Männer. Zur Erinnerung: Die Sex-Chronistin hatte darüber nachgedacht, dass die Herren im Sog von allzu intensivem Internetporno-Konsum ähnlich konditioniert werden könnten wie Hündchen von Leckerli. Mit Auswirkungen auf Hirn, Herz, Hoden. Dabei würden die Geil-on-Demand-Bilder dafür sorgen, dass die Ficktion all zu sehr das Reale kontaminiert. Auf meiner Facebook -Seite entbrannte daraufhin zügig eine Debatte. Leicht beleidigte Herren, die sich klassifiziert und vom "Klischee" bedrängt fühlten, gossen ihren Gram in lange Postings und Mails. Nein, nein, nein - wir sind nicht so. Sie! Herr D warf mir vor, ich würde Hausfrauen-Vorurteile bedienen. Auch er gehöre zum Pornostammpublikum - doch nein, er würde zu seinen Frauen eh total lieb sein. So, Freunde. Mir ist klar, dass die Männerwelt nicht aus lauter hechelnden Schablonen besteht, die uniform (re)agieren und auf Fingerschschnipp jedem Blow-job-Filmchen nachsabbern. Ich kenne viele Männer, die über ein wunderbares Spektrum an erotischen, menschlichen, emotionalen Möglichkeiten verfügen - das ist schön. Doch Fakt ist, dass die Welt sich verändert hat. Dass Pornografie zu einem Fast-Food-Produkt geworden ist, welches sich zunehmend als "Norm" aufspielt. Das ist nicht gut. Weil (vor allem junge) Männer-Menschen Gefahr laufen, sich im "Allzeit-feucht"-Mythos zu verlieren. Erst vor Kurzem ist in den USA ein spannendes Buch erschienen: A Billion Wicked Thoughts ("Eine Milliarde frivoler Gedanken"). Untertitel: Was das größte menschliche Experiment über Sehnsucht verrät. Zwei Neurowissenschaftler, Ogi Ogas und Sai Gaddam, haben u. a. Milliarden von Suchanfragen analysiert, um herauszufinden, was Menschen treiben. Eines der Kern-Ergebnisse unterstreicht den Geschlechter-Unterschied. Glaubt man den beiden, ist der viel signifikanter als bisher vermutet. Weibliche Erregung ist - bei allem Hin und Her - mehrschichtiger. Verdammt, darum sind wir Frauen ja so kompliziert! Forscher Ogas: "Männern reicht ein nackter Damenhintern. Es gibt aber kaum Frauen, die von einem Arsch geil werden. Selbst wenn er Ashton Kutchers wäre." Weitere Ergebnisse der Studie: 75 Prozent der Besucher visueller Internet-Pornoseiten sind Männer - und bereit, dafür zu zahlen. 75 Prozent der Besucher von Seiten mit erzählerischem erotischen Inhalt sind Frauen. Sie zahlen mitunter auch. Weltweit sind die Such-Trends ähnlich - am Ende beschränkt sich alles auf 20 gar nicht abgründige Begriffe, die 80 Prozent der User ansurfen. Am häufigsten fahnden Männer nach jungen Frauen (1. Stelle), bei steigendem Interesse an "Granny"-Sex (reife Damen, die schnackseln). Ebenfalls top sind Suchanfragen nach "Brüsten" und "Vagina". Bei Frauen dominiert die Sehnsucht nach praktischem Plaudertaschltum: Sex ist für viele mit Fantasie verknüpft, mit Gschichtln, Fiktion und, z. B., Vampirzauber. Der Idealfall wäre also eine Art Harry Potter mit hübschem Popsch und dreckigem Zauberstab .

Tipp: G. Kuhn & M. Hufnagl lesen bei "Sex & Night at the City", 16. 7., Rathausplatz Leobersdorf.