Sex in der Freizeit
02/13/2016

Die Smartphone-Affäre

Ich oder es? Gute Frage. Denn längst hat das Smartphone einen Fixplatz in den Schlafgemächern dieser Welt. Die neue Sprach- und Gefühllosigkeit: Während er analog vom gefühlvollen Sex träumt, liket sie zehn Katzenbilder und vier virale Videos. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, sagt der Hausverstand.

von Gabriele Kuhn

Potenzprobleme? Hatte N nie. Kannte er nicht. Bis vor Kurzem. Da war er in den Urlaub gefahren, um sich zu entspannen. Aber dann. Dann ging das WLAN im Hotel nicht. Zumindest nicht so, wie er das gewohnt war. Morgens aufwachen, Smartphone an – ein schneller Blick auf das, was war. Börsennews. Sportergebnisse. Whatsapp-Nachrichten vom Büroflirt. Abends zu Bett gehen. Noch eine Stunde in Federn gebettet surfen, ziellos, lustvoll. Warten bis die Lebensgefährtin einschläft, weitere 20 Minuten surfen – Pornos. Sich unter der Bettdecke einen runterholen. Doch dort, in diesem Funkloch, ging gar nichts mehr. Was für ein Abturner! N fühlte mehr Stress denn je. Weil er einer von vielen ist, die noch gar nicht wissen, wie sehr sie bereits an der Netz-Nadel hängen. Smartphone-Junkies sind überall. Ist doch cool, na und? Moderne Zeiten! Was wir uns damit antun, ist weniger cool. Vor allem der Liebe kann die Manie, mit der Welt da draußen permanent in Verbindung zu stehen, abträglich sein. Da ist das Paar am Nebentisch eines Bistros. Zum Amuse gueule wird geplauscht, kaum ist der letzte Bissen unten, kramt sie hektisch im Tascherl. „Ich dachte, ich hätte mein Handy vergessen“, sagt sie mit irrlichterndem Blick. Die Suppe wird serviert. Spätestens danach passiert’s: Beide greifen zu ihrem Smartphone und beamen sich voneinander weg. Weg vom Gespräch, das längst notwendig gewesen wäre, weg von der Möglichkeit, einander anzusehen. Ab dem dritten Gang wird gar nicht mehr geredet, außer vielleicht sowas: „Ha, hast schon das neue Profilbild vom X g’sehen?“ Oder: „Oida, das Instagram vom L geht net.“ Nur so: An die 150 Mal pro Tag blicken Smartphonebesitzer auf das Display ihres Telefons. Da bleibt wenig Zeit, um seinem Partner in die Augen zu schauen und etwas zu fühlen. „Phubbing“ heißt das, wenn Menschen lieber mit ihren Kommunikationsgadgets interagieren als mit dem Gegenüber. Der Begriff kommt von Phone snubbing – das heißt nix anderes, als den anderen durch die Nutzung des Handys zu brüskieren. Indem man etwa mitten in einer Unterhaltung zum Smartphone greift und schnell was checkt. In Liebesdingen sprechen US-Forscher von Pphubbing – Partner Phone Snubbing, etwa so: Zwei liegen im Bett, er will reden, sie aber muss dringend zehn Katzenbilder liken, posten und kommentieren. Und ja, es gibt sie schon, diese Untersuchung, in der Menschen sagen, sie wären auf das Handy ihres Partners eifersüchtig. Je mehr gephubbt wird, desto schlechter ist das – für die Liebe, für die Erotik. Weil Geilheit Raum und Zeit braucht, um zu wachsen und sich zu entwickeln. Atmosphäre heißt das – und die, die ist total analog. Die wächst über Blicke und Worte – über Annäherung in Echt-Zeit. Klar, kann man einander schon einmal Whatsapp-Nachrichten mit „Ich will dich ficken. Jetzt“ schicken. Das hat seinen Reiz, kommt aber komisch, wenn der andere daneben im Bett liegt und (be)greifbar ist. Außerdem, ganz abgesehen vom Sex: Liebe braucht Aufmerksamkeit. Indem wir permanent dort statt da sind, wird sie in Teile zerschnetzelt, die sich nicht mehr zusammenfügen lassen. Die Lösung? Heißt Schluss machen. Drei Mal dürfen Sie raten mit wem.

gabriele.kuhn@kurier.at

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