sex IN DER FREIZEIT: 19 Mal pro Tag

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Meinung Kolumnen Sex in der freizeit
09/19/2012

Ausg’steckt is’

Sex in der Freizeit: Die Österreicher verhüten schleißig, hieß es unlängst im Verhütungsreport 2012. Manche pfeifen überhaupt drauf – aus gutem Grund: Sie haben Kinder und die sorgen dafür, dass Sex zu einem Ereignis mit Seltenheitswert mutiert.

von Gabriele Kuhn

Aha, die Österreicherinnen und Österreicher sind Verhütungsnieten. Sie tun’s zwar, aber sie tun es nicht richtig – enthüllte vor einigen Tagen der Verhütungsreport 2012. Nach der Pille schützen sich die Menschen hierzulande am liebsten mit Kondomen – ein Insider kommentierte etwas pessimistisch: „Wahrscheinlich wird der Gummi bei uns geschluckt und die Pille drüber­gezogen.“In meinem Freundinnenkreis sind aber fast alle sowieso ganz anderer Meinung. Seit die Damen Kinder in die Welt gesetzt haben, pfeifen sie auf die tägliche Hormongabe. Und auch die Präserl-Fraktion gibt’s weit billiger. Kinder an die Macht: „Seit mein Kleiner auf der Welt ist – und das ist jetzt auch schon zwei Jahre her – hatte ich gefühlte drei Mal guten Sex. Wozu da bitte verhüten?“ Neben dem „Kleinen“ gibt es nämlich auch noch die „Kleine“. Ein aufgewecktes Mäderl, das mehr oder minder regelmäßig zur Prime-Time im Schlafzimmer erscheint und sich’s mit dem großen Kumpel (ein Bär, dessen Schnauze fast so groß ist wie Papas Oberarm) zwischen Vater und Mutter gemütlich machen möchte. Dann packt der Papsch die Tuchent und zieht ins Himmelbettchen. So geht das seit Jahren.Wer jedoch glaubt, je größer die Kinder, desto ärger die Orgien, liegt total falsch. Die größeren Kinder lassen sich nämlich mit infantilen Erklärungen wie „Die Mama hat ein ganz schlimmes Aua, deshalb schreit/stöhnt sie so“ oder „Die Mutti hat ihr Ohrringerl verloren und sucht es gerade unter der Decke vom Vati“ abspeisen. Die größeren Kinder haben zu ihrem einschlägigen Wissen und Ahnen ausgeprägte Sinne. Sie hören, was sie eigentlich nicht hören sollten. Und sind völlig unempfänglich für laute Befehle im Stile von „Räum aus der Schultasche die 15 verschimmelten Wurstbrote raus.“Das verkompliziert das Liebemachen extrem – so man nicht im Besitz eines Landschlösschens („Mäuschen, Mama und Papa gedenken im Südflügel zu relaxen“) ist. Mann und Frau müssen also – wie beispielsweise Flugzeugpiloten am Flughafen Frankfurt – stets abflugbereit für den nächsten Vögel-Slot sein. Die 12-Jährige übernachtet bei der Freundin? Yeah – steck! ihn! rein! Doch leider ist programmierter Sex meist öd – und mit etwas Pech läuft ausgerechnet heute ein wirklich gutes Match im Fernsehen. Ausg’steckt is.

Urlaub! Genau. Urlaub kann frigide Ehen retten, heißt es seitens der Psychologie. Man bucht sich also in Ferienwohnungen ein, wo Eltern und Kids getrennt schlafen. Aber dann entpuppt sich das schmucke Sommerhäuschen als Pappkonstrukt. Mit Wänden so dünn wie das popofreundliche Häusl­papier, das man sich aus Österreich mitgenommen hat. Ziemlich blöd lief es bei G und G: Das Paar wollte sich in einem teuren, sardischen All-inclusive-Club zwei nette Wochen machen, bekam aber leider nix mehr mit getrenntem Kinderzimmer. In der ersten Nacht, als man dachte, der 13-jährige Bub sei durch die vielen Wasserspiele ermattet, trieben es die beiden etwas alkoholisiert im Badezimmer. Am nächsten Morgen sagte das Kind beim Frühstücksei: „Nur so: Das mit dem Sex könnt ihr euch aber abschminken.“ Seither hat Herr Papa leichte Erektionsstörungen.

gabriele.kuhn(at)kurier.at

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