über den Wiener Lesetest
05/12/2014

Wiener Lesetest, 3

von Niki Glattauer

Ein großer im Kampf gegen die grassierende Testitis

Niki Glattauer | über den Wiener Lesetest

Lustig jetzt, wie man seinerzeit die „besonderen Stärken“ des „Wiener Lesetests“ beworben hat, u. a. so: „Er erfasst die Lesefähigkeiten der Wiener Schülerinnen und Schüler genau und individuell.“ Am individuellsten, wie sich jetzt herausstellt (siehe letzte Kolumne), wenn du z. B. Carsten geheißen und aus sagen wir Köln gewesen bist. Der „W i e n e r Lesetest“ war nämlich ein deutscher Lesetest. Die gute Nachricht: Er ist Vergangenheit. „In dieser Form wird es den Wiener Lesetest nicht mehr geben“, heißt es im Wiener Stadtschulrat.

Gut so. Wiener Kinder müssen also nicht mehr an ihrer „Lesekompetenz“ zweifeln, nur weil sie nicht wissen, was ein Metzger ist, und jetzt hoffe ich nur, dass meine Präsidentin das Heinisch-Hosek’sche Hölzel von der PISA-Pause aufnimmt und den Lesetest zumindest mittelfristig ganz kübelt. Ein kleiner Schritt für eine Präsidentin, aber ein großer im Kampf gegen die grassierende Testitis ...

Und weil ich gerade vom „Kübeln“ rede und vorher den Ausdruck „Lesekompetenz“ gebraucht habe. Hier ein paar Sätze des Schriftstellers und Germanisten Egyd Gstättner aus der letzten Ausgabe meiner Gewerkschaftszeitung, die mich, wie ich zugebe, in freudige Erregung versetzt haben. Titel: „Ich qualitätssicherer nicht, ich arbeite …“

Aus dem Inhalt: „Alle stöhnen, alle füllen unablässig irgendwelche elendslangen kleingedruckten Listen und Fragebögen aus, die kein Mensch jemals lesen wird. All diese stumpfsinnigen (Kompetenzsicherungs-)Listen und (Qualitätssicherungs-)Fragebögen füllen sie im Namen einer mystischen Pseudoobjektivierung aus (…). Vor lauter Tätigkeitsbeschreibungen kommen die Menschen nicht mehr zu Tätigkeiten, geschweige denn zur Tat. (…) Noch nie war in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens so oft und so penetrant von ,Qualität‘ und ,Kompetenz‘ die Rede, während Qualität und Kompetenz überall dramatisch nachlassen!“ Womit ich dazu aufrufe, das pädagogische Unwort des ausklingenden Schuljahres zu wählen. Fünf schlage ich vor: a) Lesetest b) Qualitätssicherung c) kompetenzorientiert d) Bildungsexperte e) Zentralmatura. PS: Namen von schulpolitisch vorgeblich tätigen Personen sind nicht zugelassen. :-)

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