über ein Wienerlied-Schulprojekt
01/15/2017

Weinnachten mit Hilli Reschl

von Niki Glattauer

Als Lehrerin in Wien nimmst du sprachliche Ausrutscher allerdings schon lange gelassen.

Niki Glattauer | über ein Wienerlied-Schulprojekt

Seitdem ich an dieser Stelle darüber sinniert habe, dass wir primär deswegen sprechen können, weil es uns unser Gehirn erlaubt – neuen Forschungen zufolge könnten das vom Vokaltrakt her Makaken nämlich auch –, mailen mir Leserinnen Beispiele für die Schattenseiten dieses Umstands.

So habe beispielsweise der Fußballer Hosiner unlängst gesagt: "Fällst du sieben Mal hin, stehe acht Mal auf." Wären wir Affen, wettert Leser Alfred S., würden uns solche Sätze erspart bleiben. Gut, da hat Herr H. nicht ganz zu Ende gedacht, bevor ihm das Gehirn die Freigabe zum Sprechen erteilte, weil, echt jetzt, wie steht einer auf, der schon steht?

Als Lehrerin in Wien nimmst du sprachliche Ausrutscher allerdings schon lange gelassen. So geht in meiner Klasse gerade ein Wienerlied-Projekt zu Ende, das die beliebte Wienerliedsängerin Charlotte Ludwig initiiert und begleitet hat. Mit im Repertoire war der alte Schlager "Wenn wir nicht die Omi hätten" in der Version der legendären Hilli Reschl. Schon beim Einstudieren der Lyrics gab es kleinere sprachliche Hoppalas:

- Frau Lehra, da steht Sexfilm! Sagen Sie nicht immer, man schreibt sechs nicht mit x, sondern mit ch?

- Hasik, da geht es jetzt nicht um die Zahl. Dafür bist du mit Zehn jetzt noch zu jung, aber in ein paar Jah…

- Aso, Sie meinen Pornos!

Als dann bei der ersten Aufführung am Adventmarkt Hirschstetten Hilli Reschl leibhaftig in der ersten Reihe saß, glaubten einige der Kinder, in ihrem Gesicht Tränen der Rührung zu erkennen.

In der schriftlichen Nachbearbeitung las sich das bei Ayse so. "Leider hat die berühmte Frau dann geweint. Aber es heißt ja auch Weinnachten." "Nein, Ayse, heißt es nicht", schrieb die Deutschlehrerin darunter – und machte sich gelassen an ein passendes Arbeitsblatt. Womit ich beim aktuellen Programm des Musikkabarettisten Christof Spörk bin, es heißt "Am Ende des Tages", und von mir gibt es hier eine echte Empfehlung! Jedenfalls heißt es da: "Leute! Vergesst doch bitte die paar Probleme, die wir gerade haben. Sonst kriegen die noch Kinder!"

Als Lehrer darf ich hinzufügen: Genau. Und die haben wir dann alle irgendwann in unseren Klassen sitzen! Mit und ohne Kopftuch übrigens…