über fehlende Erziehungsberechtigte
03/19/2017

U:... wie Unterschrift

von Niki Glattauer

Lachen Sie ruhig, denn jetzt wird’s eh gleich bitter

Niki Glattauer | über fehlende Erziehungsberechtigte

Das mit den Unterschriften ist ja auch immer so eine Sache. Du willst dir elterlicherseits bestätigen lassen, dass ein Kind nachsitz… also nachüb… also darum gebeten hat, das Versäumte (z. B. eine HÜ) nach Unterrichtsschluss nachzuholen und du als engagierte Lehrerin ein oder zwei Stunden deiner unterrichtsfreien Zeit dafür opfern würdest, und formulierst im Mittelungsheft den diesbezüglichen Text. (An dieser Stelle für die paar, die mit Schule nichts mehr zu tun haben: Doch, doch, das Mitteilungsheft gibt es immer noch, es ist quasi das "Hörrohr" der Schulgeschichte, nur dass das Hörrohr inzwischen bei "Antikes-aus-der-Welt-der-Medizin"-Auktionen zu finden ist, währen das Mitteilungsheft …, aber egal). Tags darauf steht nach U: … manchmal ein Name, manchmal keiner. Und manchmal musst du nur lachen.

- Wie heißt deine Mutter, Jacqueline?

- Radosavljevic, wieso?

- Und wieso fälscht du ihre Unterschrift? (laaaaange Pause)

- Wieso wissen Sie das?

- Weil da nicht Radosavljevic steht, sondern Mutter.

Lachen Sie ruhig, denn jetzt wird’s eh gleich bitter, weil: Nicht jedes Kind in Österreich hat einen Erziehungsberechtigten. Ich rede von "unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF)". Und jetzt pass auf: Da gibt es diesen UMF aus Afghanistan, nennen wir ihn Milad, 14 , der seit 2015 in einem netten Ort in Österreich zur Schule geht und ebenso lange im dortigen Fußballverein Ligafußball spielt, in der U15 nämlich. Er ist, sagt der Trainer, ein echt guter Kicker, talentiert und diszipliniert, versäumt kein Training, kommt pünktlich, ist eine Stütze des Vereins. Das heißt, er wäre es, Konjunktiv. Denn bei den Matches sitzt Milad unter den Zuschauern. Für den Buben gibt es nämlich ohne Unterschrift eines Erziehungsberechtigten keinen Spielerpass und ohne Spielerpass keine Spielberechtigung! Kein Witz, seit eineinhalb Jahren muss ein 14-Jähriger, der ohne Familie im Land ist und sich über einen Fußballverein im Land zu integrieren versucht, immer wenn "echt" gespielt wird, zuschauen, weil er keinen Erziehungsberechtigten hat, der hinter dem U.:... einen Namen setzt. So – und jetzt, liebe Behörde, tu was!