Schule - und der Rest des Lebens: Mail vom Baumeister

Niki Glattauer
Foto: Miriam Hoehne

In den großen Kinos wird nicht mehr vor den einzelnen Sälen kontrolliert, sondern an Nadelöhren zeitlich und räumlich weit davor.

Sie erinnern sich: Michi, 10, sitzt lustig im Kino und schaut sich allen Jugendschutzbestimmungen zum Trotz einen Brutalfilm an. Das ist möglich, weil in Cine-Plexen nicht mehr vor den einzelnen Sälen kontrolliert wird, sondern an strategisch gut positionierten Nadelöhren zeitlich und räumlich weit davor. „Jugendsch(m)utzgeld“ nannte ich das etwas holprig. Aber das holprige Wort liegt ja oft näher bei der Wahrheit als das geschliffene.

Nun hat Richard Lugner reagiert: Er „bedaure es zutiefst, dass ein 10-jähriger Schüler den Film ,Verblendung‘ gesehen“ habe, da dieser Film „besonders brutale und gerade für ein Kind erschütternde Szenen“ beinhalte. Mit Nachdruck weise er jedoch darauf hin, dass (O-Ton) „meine Kinomitarbeiter strikte Alterskontrollen sowohl an der Kassa als auch beim Einlass durchführen. […] Bei jedem Filmstart befindet sich ein Mitarbeiter direkt im Saal, [...], auch dabei wird nochmals das Publikum bezüglich Alter überprüft. Somit wird ein Kinobesucher drei Mal kontrolliert: Kassa, Einlass, Saal.“ Nur der Fairness halber, Herr Lugner, sei Ihr Statement hier wiedergegeben, denn ein kurzer Gegencheck brachte ein gegenteiliges Ergebnis. Frage an die versammelten Kinderlein: „Seid ihr je vor dem Saal kontrolliert worden? Hat es je Leute gegeben, die nach Filmbeginn darauf geachtet hätten, dass ihr im richtigen Saal sitzt?“ Zwei Mal klare Neins! Es ist schon so, wie Michi sagte: „Du kaufst die Karte für einen Film, den du darfst, und gehst dann in den Film, den du willst.“ Brigitte Nielsen hatte Lugner anlässlich des Opernballs „Lügner“ genannt. Irrtümlich: holpriges Deutsch. Stehen lassen würde ich das so trotzdem nicht. Immerhin begann Lugners Mail mit dem Satz: „Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel „Jugend (schm)utzgeld‘ im Kurier vom 27.02. gelesen.“ Interesse also. Von Überraschung hat er nichts geschrieben.

(kurier / Niki Glattauer) Erstellt am
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