Finger in die Wunde: Schmied macht auf die Finanzministerin und die Gewerkschaft Druck, um bald zu einer Einigung im Dienstrecht zu kommen.

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Meinung Kolumnen Schule
09/14/2012

Schmied zu Schul-Reform: "Tempo zulegen"

Auch die Ministerin zweifelt daran, dass das versprochene neue Dienstrecht für Pädagogen noch vor der Wahl kommt.

Gesamtschul-Versuch in Tirol, lähmende Verhandlungen zum Lehrer-Dienstrecht. Das Bildungssystem ist pünktlich zum Schulstart wieder ein politisches Haupt-Thema. Bildungministerin Claudia Schmied (SPÖ) im Interview.

KURIER: Die Regierung löst die Wehrpflicht-Frage per Volksbefragung. Es wäre ja auch möglich, den Streit um die Gesamtschule so zu lösen?

Claudia Schmied: Die wichtigste Volksbefragung ist die Wahl. Die Regierung soll entscheiden. Was die Wehrpflicht angeht: Das nehme ich zur Kenntnis. Aber wenn man alles abfragt, wird das doch relativ schnell beliebig.

Also ein Abtausch Studiengebühren gegen Gesamtschule, wie er immer wieder angeregt wird? In der SPÖ und in der ÖVP gibt es ja Debatten.

Jedes Konzept soll für sich selbst stimmig sein. Ich bin gegen Tauschgeschäfte. Aber dass es in beiden Fällen Diskussionen gibt, finde ich gut.

Nur die Diskussion? Oder die Studiengebühren selbst? Was halten Sie vom Modell von Gabi Burgstaller?

Es überzeugt mich nicht, es löst die Finanzierung der Universitäten nicht.

Sie finden die Debatte also gut, aber es sieht danach aus, als würde es das Modell nicht einmal auf den Parteitag im Oktober schaffen – sondern in der Antragsprüfungskommission hängen bleiben.

Die Debatte läuft ja längst. Jetzt in der Antragsprüfungskommission, nächste Woche in den Gremien. Und auch öffentlich wird bereits diskutiert.

Die Lehrer in der Unterstufe stehen in Österreich weniger lange in der Klasse als ihre Kollegen in den Nachbarländern. Die Gewerkschaft wäre verhandlungsbereit – wenn es ein Konzept von Ihnen gäbe. Wann gibt es den Vorschlag von Ihnen?

Dann, wenn die 26 Seiten Regierungsvorschlag durchgearbeitet sind und die Gewerkschaft ihre Vorschläge gemacht hat. Aber wir müssen an Tempo zulegen, sonst schafft es die Regierung in dieser Legislaturperiode nicht mehr. Und hier ist insbesondere die Frau Finanzministerin wichtig.

Das heißt, Ihr Plan hält nicht? Sie wollten doch im Herbst 2012 fertig sein.

Je früher, desto besser.

Wie groß war Ihre Freude darüber, dass der Tiroler VP-Landeshauptmann Günther Platter einen Schulversuch zur Gesamtschule startet?

Groß. Die OECD-Studie hat erneut gezeigt, welch Ungerechtigkeit wir im Bildungssystem haben. Auch aus der Wirtschaft drängen immer mehr Stimmen darauf, diese zu beseitigen – wegen der Wettbewerbsfähigkeit. Wenn sich ökonomische Vernunft und soziale Verantwortung verbinden, sind die Argumente unschlagbar. Platter empfehle ich den Blick nach Südtirol: Dort gibt es seit 50 Jahren die gemeinsame Schule – mit erstklassigen Ergebnissen.

Zuletzt hat es um Sie Ablösegerüchte gegeben. Stünden Sie für eine weitere Amtszeit zur Verfügung?

Die Gerüchteküche hat einen Konjunkturzyklus, das kommt alle zwei Jahre wieder. Da ist nix dran. Und zur anderen Frage: Zuerst kommt die Wahl, bis dahin arbeiten wir professionell. Nach der Wahl ist die Partei am Zug. Wenn man mich dann fragen sollte – im Konjunktiv! – würde ich ja sagen. Es macht mir Freude. Bildung, Kunst und Kultur sind eine wertvolle Aufgabe.

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