Meinung | Kolumnen | Schule
17.12.2017

Liebes Christkind...

Wir wünschen uns dringend neue Bildungsexperten

Niki Glattauer | mit seinen Wünschen ans Christkind

… da ich dich als Ansprechperson dem Weihnachtsmann vorziehe, geht dieses Mail zu deinen geflügelten Handen (Cc. an den neuen Bildungsminister). Wie du sehen wirst, sind meine Wünsche namens mir nah und fern bekannter, hochgerechnet Tausender Lehrerinnen bescheiden. So.

1) Wir wünschen uns dringend neue Bildungsexperten. Günstig wären solche, die schon einmal in Klassen gestanden sind, besser: dort auch unterrichtet haben. Noch besser, wenn das in normalen Schulklassen geschehen wäre, in Haupt- oder Berufsschulen z. B., und nicht in Nobelgymnasien, Hochbegabtenschulen oder Unis.

2) Wir hätten gern eine Palette von Doktor-Who-Schallschraubenziehern. Du weißt schon, das sind die, die alles ausbessern, wenn man ordentlich draufhält: auf Eltern zum Beispiel, die nur so heißen; oder auf kriegs- oder fluchtbedingt traumatisierte Schüler, die auf wundersame Weise alle an einem 1. 1. nach 2010 geboren sind und dann mit Oberlippenflaum sprach- und fassungslos in unseren Volksschulen sitzen; oder auf das armselige Häufchen von Integrationsklassen in Österreichs AHS, auf dass sie sich rasant vermehren mögen. Wäre doch fein, wenn sich Pflicht- und Nichtpflichtschulen die Mühen von Inklusion und Integration endlich teilen würden.

3) In diesem Punkt geht es uns um pekuniäre Würdigung. Ob in Euro, Gold oder Bitcoins – ganz egal. Ist fürs Ego. Weil, wenn sie uns da draußen schon für alle Gesellschaftsprobleme verantwortlich machen (Volksverdummung, Versagen in der Wirtschaft, am Arbeitsmarkt, beim Song Contest, etc.), sollen sie uns auch wie Wunderwuzzis entlohnen.

4) Sollten sie uns jedoch nicht wie Wunderwuzzis entlohnen wollen, sollen sie aufhören, Wunder von uns zu verlangen. Das gilt speziell für Volksschullehrerinnen und die, die man früher Kindergartentanten nannte.

5) Wir wünschen uns von unserem neuen Minister, dass er uns mag, schätzt und so behandelt, wie man seine wichtigsten Mitarbeiter behandelt: erstens, indem man ihnen Arbeit abnimmt, statt ihnen immer neue aufzubürden, und zweitens: nett :-)!