© dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Meinung Kolumnen Schule
10/30/2012

Immer Ärger mit den Herbstferien

Herbstferien stellen für viele Eltern eine Belastungsprobe dar. Es wird über Vereinheitlichung der freien Tage diskutiert.

Mein Mann und ich sind beide berufstätig. Die Großeltern leben in der Steiermark. Wer soll meine zwei Töchter in dieser Zeit betreuen?", fragt sich Jutta Krenn aus Wien. Die schulautonomen freien Tage stellen derzeit viele Eltern vor diese Frage. Denn die drei Tage an weiterführenden und zwei an Pflichtschulen, über die die einzelnen Schulen selbst bestimmen können, werden meist mit dem Nationalfeiertag und Allerheiligen zusammengelegt. So genießen viele Schüler im ganzen Land bis zu zehn Tage Herbstferien, nur zu unterschiedlichen Zeiten. Besuchen die Kinder einer Familie also unterschiedliche Schulen, wird die Unterbringung des Nachwuchs für viele Eltern zu einem regelrechten Spagat.

So auch für die Familie Krenn. Ihre jüngste Tochter Astrid (8) besucht die dritte Klasse Volksschule und hat den heutigen Mittwoch frei. Die zehnjährige Pia geht in die erste Klasse Gymnasium und hat die ganze Woche keinen Unterricht. "Wir haben die Jüngste deswegen aus der Schule genommen und beide Kinder zu den Großeltern gebracht."

Autonomie-Frust

Von einem "familienfeindlichen System" und "schulautonom gefrusteten Kids" spricht Martina Bender aus St. Pölten. Tochter Tabea (11) hat von 1. bis 6. November Herbstferien im BORG, während bei Sohn Felix (8) in der Franz Jonas Volksschule Normalbetrieb ist. "Wäre ich berufstätig, hätte ich damit ein Riesenproblem. Selbst die Kinder sagen, das ist ein Blödsinn. Man kann nichts gemeinsam unternehmen." Ansätze, zumindest in St. Pölten autonome Frei-Tage zu vernetzen habe es zwar gegeben, berichtet BORG-Direktor Franz Angerer. Aber: "Es hat nicht geklappt, weil man die Schulgemeinschaftsausschüsse aus Eltern, Lehrern und Schülervertretern nicht unter einen Hut kriegt."

Auch Familie Trimmel aus Wiener Neustadt, NÖ, hat mit den schulautonomen Tagen ihre liebe Not. Der älteste Sohn Aurel (10) besucht das Gymnasium, die Tochter Helena (6) die Volksschule und der Jüngste, Finn (3), den Kindergarten. Während das Gymnasium, das Aurel besucht, diese Woche keinen Unterricht hat, muss Tochter Helena zur Schule. Denn dort sind erst Montag und Dienstag kommende Woche die schul­autonomen Tage und somit kein Unterricht. Die Unterbringung der Kinder wird für die Familie zur einer Herausforderung. "Auch ein Urlaub fällt aufgrund der unterschiedlichen freien Tage der Kinder ins Wasser", sagt Vater Sascha Trimmel, der das Glück hat, sich als selbstständiger Fotograf die Zeit flexibel einteilen zu können. "Sonst wäre es schwierig, die Kinder rund um die Uhr zu beaufsichtigen."

Vereinheitlichung?

So viele freie Tage am Stück findet Theodor Saverschel, Präsident des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen, kontraproduktiv. "Auch die Eltern sind mehrheitlich gegen die Herbstferien. Verliert man in dieser lernintensiven Zeit so viele Unterrichtstage, kommen die Kinder mit dem Lernstoff nicht weiter." Einzelne autonome Tage, die einheitlich festgelegt werden, würde er begrüßen. "Wir hätten es gerne, dass diese Tage wieder vorgegeben werden, zumindest auf Landesebene."

Eine solche Vereinheitlichung kann sich Wiens Stadtschulrätin Susanne Brandsteidl gut vorstellen. "Das würde Sinn machen. Aber auf Landesebene kann man das nicht entscheiden. Das ist eine Sache des Bundes. Das stellt wiederum die Schulautonomie infrage."

Die Diskussion ist im Unterrichtsministerium bereits bekannt. "Sobald ein gemeinsamer Vorschlag von Schülern, Eltern und Lehrern vorliegt, sind wir bereit darüber zu diskutieren", heißt es aus dem Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied.

"Ich werde das mit unseren Partnern besprechen", entgegnet Saverschel.

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