Meinung | Kolumnen | Schule
04.03.2018

Hört, hört ... den Herrn Minister!

Wobei sich die Frage stellt, wer in Wien dann ab nächstem Schuljahr in einer ganz normalen Regelklasse sitzen wird.

Niki Glattauer | über Deutschförderklassen

Jetzt muss man sagen, das erlebst du auch nicht alle Tage, dass dir ein Minister postwendend zurückmailt. In meiner letzten Kolumne schrieb ich von einem Flüchtlingskind aus Syrien, das der Chefredakteur des Magazins biber, Amar Rajkovic, als Paradebeispiel für systemisch nicht funktionierende Integration hergenommen hat. Konkret war einem 15-jährigen Mädchen aus Syrien, das schon in seiner Heimat eine hervorragende Schülerin gewesen war, das fließend Englisch spricht und jetzt in Österreich, genau genommen in Wien-Meidling, weitergebildet werden möchte, in einem Gymnasium mit Hinweis auf seine mangelnden Deutschkenntnisse die Aufnahme verweigert worden: Sobald Habiba besser Deutsch spreche, könne sie ja wieder vorbeischauen, so sinngemäß der Direktor.

Darauf biber: "Habiba wird also nicht mehr in ihre Regelklasse gehen, sondern in einer eigenen Klasse 20 Stunden pro Woche Deutsch lernen. Sie wird in ihrem "Ausländer"-Umfeld bleiben, mit ihren Klassenkolleginnen auf Arabisch plaudern und weiter von einem Medizin-Studium nur träumen."

Irrtum, sagt nun in seiner Antwort auf diesen Kommentar Bildungsminister Heinz Faßmann. "Fälle, wie der von Amar Rajkovic beschriebene, sind uns bekannt und werden sehr ernst genommen. Zur Anwendung soll das Modell der Deutschförderklassen sowohl in allgemein bildenden Pflichtschulen … als auch in der AHS … kommen. Damit wird Schülerinnen und Schülern wie Habiba die Möglichkeit gegeben, eine AHS besuchen zu können und auch hier als außerordentliche Schülerin die deutsche Sprache rasch zu erlernen." Klare und erfreuliche Worte. Ich hoffe, dass sie dem Mädchen jetzt auch jemand vermittelt.

Wobei sich in dem Zusammenhang schon die Frage stellt, wer in Wien dann ab nächstem Schuljahr in einer ganz normalen Regelklasse sitzen wird. In Volksschulen und NMS haben 75 Prozent der Kinder nachweisbar Deutsch-Defizite, gefühlt sind es ja 90 Prozent ;-). Sitzen die dann alle in den Deutschförderklassen, während in den normalen Klassen den sechs verbliebenen Kinder der Pythagoras, die Biene und die Klimazonen erklärt werden?