Meinung | Kolumnen | Schule
02.07.2017

Geschafft, den Schas!

Man kann als Gewerkschafter nämlich auch durch vorwärtsgewandte Gedanken auffallen.

Aber, und das ist ein großes Aber, wir brauchen sie nicht. Sie ist sogar schädlich.

Niki Glattauer | über die Matura

In meinen letzten zwei Kolumnen des heurigen Schuljahres sollen Lehrerinnengewerkschafter zu Wort kommen, man kann als Gewerkschafter nämlich auch durch vorwärtsgewandte Gedanken auffallen. Da ist z. B. Karl Heinz Rohrer, Professor für Pädagogik an der BAKIP Hartberg und leitender BMHS-Lehrergewerkschafter. Sein Kommentar zum Thema Matura ist mir anlässlich der Uraufführung zu meinem Kinderbuch "Flucht" in Linz in die Hände gefallen. Kurz vor der Premiere rief mich eines meiner Quasipatenkinder an uns sagte: "Geschafft, den Schas!" Sie meinte – die Matura. Ein paar Stunden später im Hotel fiel mir ein älterer Standard in der Hände: "Matura? Einfach abschaffen!", las ich im Titel. Hier ein paar Sätze daraus: "Als Lehrer darf ich seit Jahren sehr viele Maturaprüfungen abnehmen – und ich mag die Matura. Das ist schon immer wieder ein beeindruckendes Schauspiel, und ich habe große Hochachtung vor allen Schülern und Prüfern für die enorme Energie, die sie in diese Leistungen stecken. Aber, und das ist ein großes Aber, wir brauchen sie nicht. Sie ist sogar schädlich. (…) Ich würde gern mit meinen Schülern ein tolles letztes Jahr in der Schule haben, das bis zum letzten Schultag dauert, mit ihnen arbeiten, diskutieren, Spaß haben. Die Matura aber zwingt zum Bulimielernen. Fächer, die nicht bei der Matura geprüft werden, können selbst bei Interesse nicht mehr ganz ernst genommen werden, da die gesamte Energie in die letzten Prüfungen gesteckt werden muss. (…) Zudem ist die Matura in vielen Bereichen nicht mehr das, was sie ursprünglich war: die Studienberechtigung. Allzu viele Studien und Fachhochschullehrgänge setzen nur mehr auf eigene Eignungstests. Auch das zeigt ihren Nicht-Wert. (…) Wer jedes Jahr bestens vorbereitete Schüler am Rande des Nervenzusammenbruchs erlebt, weiß, dass dieses schöne Ritual maximal grausamen Initiationsriten gleicht. Die meisten Maturanten werden nie wieder einer solchen Situation ausgesetzt sein. Sie bereitet nicht aufs Leben vor, sie kostet wertvolle Lebens- und Lernzeit. (…) Meine Vision ist ein Abschlusszeugnis, das einfach und bolognakonform "Matura" heißt.Ist dem etwas hinzuzufügen? Wenn man mich fragt, ist nicht.