über Einschreibungen für das Schuljahr 1961 und 2017
01/22/2017

Früher Susi, heute Anne-Sophie

von Niki Glattauer

Anne-Sophie, 5, schaut sich mit ihrem Vater bereits die vierte Schule an

Niki Glattauer | über Einschreibungen für das Schuljahr 1961 und 2017

Weil an den Volksschulen gerade die Einschreibungen für das kommende Schuljahr laufen, hier, augenzwinkernd, ein kurzer historischer Vergleich:

1961. Mutter findet mit Susi, 6, die ihr zugeteilte Sprengelschule. Der Direktor nimmt die Daten auf. Susi zeichnet sich selber und greift mit der rechten Hand erfolgreich über den Kopf auf das linke Ohr. Sie wird als schulreif eingestuft und der 1c zugewiesen. Susi kriegt ein Stück Traubenzucker und verabschiedet sich höflich. Der Direktor nickt freundlich.

2017. Anne-Sophie, 5, schaut sich mit ihrem Vater bereits die vierte Schule an. Anne-Sophie soll frühzeitig eingeschult werden, da sie hochbegabt ist. Der Vater bittet erfolgreich um die Lebensläufe der infrage kommenden Lehrerinnen und versucht herauszulesen, ob diese für die nächsten vier Jahr eigene Kinder geplant haben könnten. Danach besichtigt man die Klassen. Der Vater beanstandet die fehlenden Chill-out-Bereiche. Im Gespräch mit dem Nativespeaker erfährt er, dass die "Only-the-Best-is-good-enough"-Stunden ausgerechnet an dem Tag stattfinden, an dem Anne-Sophie Tai-Chi-Unterricht hat. Inzwischen räumt Anne-Sophie in der Direktion alle Ordner aus, stopft sich gelatinefreie Gummibärli in den Mund, kaut sie an und spuckt sie wieder aus. Der Vater weist sie darauf hin, dass es zu Hause ein klärendes Gespräch geben wird. Beim Verlassen der Direktion zeigt Anne-Sophie dem Direktor die Zunge. Der Direktor winkt freundlich zurück.

Bevor jetzt Beifall von der falschen Seite kommt: Nein, ich will damit nicht sagen, dass früher alles besser war, schon gar nicht, was Schule angeht. Und immer noch sind es in der Regel die Mütter, die mit ihren Kindern zur Schuleinschreibung kommen.

Deutsch konnten früher halt mehr von ihnen … :-)

Leider geraten die medialen Aufrufe, daran etwas zu ändern, auch nicht immer glücklich. Ausgerechnet in der ZiB 1, einem der Bollwerke des österreichischen Bildungs-TVs, sprach unlängst Nadja Bernhard in der Anmoderation eines Beitrags folgenden Satz: "Man kann gar nicht früh genug damit beginnen, Zuwanderern Deutsch zu lernen." Au!

Gut, es war Freitag, der 13.