an das Christkind
12/21/2015

Außerirdische bitte!

von Niki Glattauer

Heuer wünsche ich mir ein paar Außerirdische von dir!

Niki Glattauer | an das Christkind

Liebes Christkind, ich habe etwas gut bei dir. Voriges Jahr um diese Zeit hatte ich dich um den Erhalt des Funkhauses Wien gebeten, auf dass meinem Lieblingsradiosender Ö1 (betroffen auch der Edelsender FM4) durch eine Absiedelung kein Haar gekrümmt werde (übrigens gibt es inzwischen fast 90.000 Proteststimmen gegen die Übersiedlung auf den Küniglberg, zu finden, falls es jemanden interessiert, mit den Suchbegriffen avaaz und Ö1).

Aber du? :-((( Gut, immerhin hast du den ORF-Generaldirektor sagen lassen: "Ö1 bleibt Ö1!" Dein Wort in Gottes Ohr. Ich hoffe, du hast noch einen gewissen Einfluss da oben im geheizten Himmelszelt. Womit wir bei meinem heurigen Wunsch wären:Liebes Christkind, heuer wünsche ich mir ein paar Außerirdische von dir! Ich glaube inzwischen, dass Außerirdische die einzige Chance sind, den Menschen zu zeigen, dass wir eins sind, nämlich Menschen: solche mit kurzen Nasen und solche mit langen; solche mit angewachsenen Ohrläppchen und solche mit kleinen Propellern. Solche mit Brusthaaren und solche ohne. Aber eben alle doch MENSCHEN, per Zufall getrennt durch ein paar Breiten- und Längengrade eines relativ kleinen Planeten am Rand einer Spiralgalaxis, den wir lustigerweise "Erde" nennen, obwohl er zu zwei Drittel mit Wasser bedeckt ist.

Am besten ist, du machst die Außerirdischen so richtig gefährlich. Natürlich nicht so gefährlich, dass sie uns vernichten können. Aber ein bisschen schiach angreifen sollen sie uns, damit der Johannes dem Yahya (heißt auch Johannes, halt auf Arabisch) zurufen kann: Einer für alle, alle für einen, Oida!

Kurz vor dem ersten Adventsonntag ist einer meiner Schüler gestorben. 14 Jahre alt. Hirnhautentzündung. Milad ist an der Hand seiner Mutter vor ein paar Jahren aus Afghanistan über den Iran nach Österreich geflüchtet. Wie sich jetzt zeigt, wurde Wien zu seiner letzten Station auf der Erde. Ich gehe davon aus, dass Milad inzwischen im Himmel gut angekommen ist (oder im Paradies, wie er als Moslem sagen würde). Und dass es für ihn wenigstens dort noch keine besonderen baulichen Maßnahmen gibt.

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