Meinung | Kolumnen | Schule
24.09.2017

A.o. wie "außerordentlich"

Warum teilt man diese Kinder nicht ENDLICH auf? Solidarität würde man das nennen.

Niki Glattauer | über "außerordentliche" Schüler

Wie im medialen Trubel rund um schließende, noch zu schließende und schon geschlossene Wiener Kindergärten (hoffentlich gibt’s nach der Wahl noch ein paar offene ;-)) ein wenig untergegangen ist, sitzen in Wien aktuell rund 16.000 sogenannte "außerordentliche" ( A.o.) Schüler in Sprachstartgruppen oder Sprachförderkursen.

A.o. heißt, das Kind kann so wenig Deutsch, dass es in keinem einzigen Fach beurteilt oder benotet werden kann. Dazu muss man nun zwei Dings sagen: Erstens, die nüchterne Zahl 16.000 bedeutet, dass inzwischen fast jedes 5. Wiener Pflichtschulkind eines mit "A.o."-Status ist, doppelt (!) so viele wie vor sechs Jahren (eine Zahl, die wir der parlamentarischen Anfrage des grünen Bildungssprechers Harald Walser verdanken). Und zweitens: Diese Kinder landen wie das Amen im Gebet alle in denselben Schulen derselben Bezirke, nämlich dort, wo die Kinder nicht Immatrikulationshintergrund haben, sondern eh schon wissen, und die Kolleginnen ohne legale Rauschmittel, Extradosen Koffein und ganz viel politisch unkorrekte Rede den Job nicht durchstehen, weil da in ihren Klassen niemand mehr ist, der sie versteht, geschweige denn drei Worte im Stück richtig lesen oder schreiben kann.

Jetzt versteh ich eins nicht (das heißt, verstehen tu ich’s, akzeptieren will ich’s nicht): Warum teilt man diese Kinder nicht ENDLICH auf? Solidarität würde man das nennen. Auch auf Gymnasien, auch auf Privatschulen, und ja, auch auf Bezirke, in denen immer noch mehr die Elternhäuser als die Schulhäuser für den Schulerfolg von Kindern verantwortlich sind. Man lasse sie vormittags im Rahmen ihrer Möglichkeiten am Unterricht teilnehmen, heißt, vor allem zuhören, zuschauen und Freunde finden, und steckt sie nachmittags, wenn die anderen Hausübungen machen, in Sprachkurse, möglichst heterogene, damit sie Deutsch reden müssen. Deutschkurs statt Schule – ganz schlechte Idee! Deutschkurs vor der Schule – soll sein, aber a) lernt man eine Sprache nicht im Kurs, sondern im Leben, und b) ist diese Lösung für Quereinsteiger eh unbrauchbar.

Deutschkurs und Schule, das wäre die Lösung. Sonst können wir bei den A.o. gleich w. o. geben.