Meinung | Kolumnen | Schule und der Rest des Lebens
02.04.2017

Tafeln statt Beamer und U.: ... (2)

Der Schulbau müsste endlich auch dem Lernkonzept junger Menschen angepasst werden.

Niki Glattauer | über überholte Schuleinrichtung

Unlängst kamen in dieser Zeitung unter dem Titel "So könnte Schule wieder Spaß machen" ein paar handverlesene Schulpraktiker zu Wort. Ein früherer AHS-Direktor etwa sprach den Schulbau an. Der gehöre, so der Experte, endlich "dem Ganztagskonzept angepasst"; würde man dieses und Ähnliches nicht ebenso ernsthaft und rasch angehen wie die Schulautonomie, müsste diese "als isolierte Maßnahme scheitern". Richtig, und ich darf ergänzen: Der Schulbau müsste nicht nur dem Ganztagskonzept, sondern endlich auch dem Lernkonzept junger Menschen angepasst werden.

In einer Schule in Wien siedelt dieser Tage der Schulbetrieb in den nun fertig renovierten ersten von zwei Trakten um. Zwei Jahre Bauzeit, Millionenkosten. Und wofür? Dafür, dass jetzt die Spinde nicht mehr auf dem Gang stehen, sondern in ehemaligen Gerätekammerln, und dass das Geländer im Stiegenhaus durch ein anderes mit viel Glas ersetzt wurde. Aber glaubst du, dass dort endlich in jeder Klasse Beamer von den Decken hingen? Oder jeder Schülerplatz einen Computeranschluss aufwiese? Nix. Dafür hängen vorn wieder die gehabten grünen Tafeln für schlanke 900 € das Stück, und daneben wachsen die Waschbecken zum Auswaschen der Schwämme aus den Wänden. Dabei gibt es zu dem Oldtimer-Paket Kreide & Folie inzwischen Alternativen, da schlackerst du mit den Ohren, z. B. Stichwort "Dokumentenkamera". Google einmal DC 192! So ginge Schule 4.0! Gesehen und bestaunt übrigens im BORG zu Weiz.

Zu meiner Kolumne über einen 14-jährigen Buben, der in seinem Fußballverein (U15-Liga) vor jedem "echten" Match aus der Mannschaft genommen werden muss, weil er als "unbegleiteter minderjähriger Flüchtling" keine Eltern hat, die ihm die für einen amtlichen Spielerpass nötige Unterschrift geben könnten: hat sich zum Guten gewandt! Das Sozialreferat der Bezirkshauptmannschaft hat dem Buben den Spielerpass ausgestellt. Hoffen wir, dass sich in allen anderen Fällen, in denen ein elternloses Flüchtlingskind etwas Sinnvolles NICHT tun darf, weil ihm die Unterschrift des "Erziehungsberechtigten" fehlt, auch jemand findet.