über den ÖFB
08/06/2016

Leere ÖFB-Worte und blühende Veilchen

Unser Fußball-Verband enttäuscht, die Austria überrascht und bei Rapid gibt es einen verdienten Sieger.

von Paul Scharner

Das waren nur leere Worte, Herr Präsident!

Paul Scharner | über den ÖFB

Eine selbstkritische Aufarbeitung des Scheiterns bei der EURO wurde den Fußball-Interessierten vom ÖFB vor der "Analyse"-Pressekonferenz versprochen. Rausgehört wurde die Selbstkritik dann aber nur von den ORF-Reportern vor Ort. So läuft das, wenn der Verband und der TV-Partner unter der gemeinsamen Decke liegen. Dabei war ich noch guter Hoffnung, als mir ÖFB-Präsident Windtner bei einer Diskussion in Servus TV "schonungslose Offenheit" angekündigt hatte.

Das waren nur leere Worte, Herr Präsident!

Und als ich Willi Ruttensteiner beim Schülerliga-Finale getroffen habe, war er in seiner "Analyse" nur auf eine unglücklich lange Nacht in Paris fokussiert. Als hätte eine verpatzte Rückreise das ganze Turnier dominiert. Es klingt stets so, als würde sich der ÖFB-Sportdirektor die passenden Fragen stellen und dann selbst mit vielen Worten beantworten.

Am schlimmsten finde ich, dass das ganze Versagen auf die Spieler abgewälzt wird. Dabei hätten wir vom fleißigen Verband uns ja eh so bemüht ...

Dementsprechend düster fällt meine Vorschau auf die WM-Qualifikation aus – das wird äußerst schwierig! Ich weiß, jetzt klinge ich wie der klassische Österreicher. Zuerst euphorisch und nach der EURO als Grantler. Aber der öffentliche Umgang mit der EM-Pleite lässt für mich im Moment keinen anderen Schluss zu.

Deutsche Tugenden

Ganz untypisch für Österreich war hingegen das Aufsteigen der Austria. Das entscheidende Tor erst in Minute 88 und dann auch noch eiskalt im Elfmeterschießen – das waren "deutsche Tugenden". Endlich war es unter Trainer Fink einmal richtig spannend. Vom üblicherweise gebotenen Kick kann ich das ja leider nicht behaupten.

Mein Vorschlag an Fink: Diese Mentalität sollte immer auf die Mannschaft übertragen werden. Dieses Auftreten sollte das übliche Austria-Gesicht prägen. Und nicht erst ausgepackt werden, wenn es keine andere Lösung mehr gibt.

Beim Aufstieg der Rapidler freue ich mich besonders für Thomas Schrammel! Ich kenne ihn persönlich gut und finde es aller Ehren wert, wie er nach dem zweiten Kreuzbandriss topfit zurückgekommen ist. Thomas ist mittlerweile ein Führungsspieler, wie in jeder Mannschaft zwei bis drei nötig sind. Verlässlich und voll da, wenn es darauf ankommt, wie sein Tor mit rechts gezeigt hat.

Damit kann Rapid auch den Abgang von Stefan Stangl verkraften. Ich habe Stangl 2015 nach dem Hinspiel gegen Ajax als einzigen Rapidler in meiner KURIER-Kolumne hervorgehoben und Potenzial für eine große Karriere gesehen. Offensichtlich dürfte er aber mehr Geld gegen weniger Einsatzzeit eingetauscht haben.

Was mich als alten Austrianer ein bissl schmerzt: Bald nach dem Derby muss ich einmal ins Allianz Stadion kommen. Mein ältester Sohn hatte recht, als er Donnerstagabend meinte: "Das Stadion ist aber schön!"

paul.scharner@kurier.at

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