Streng geheim!

1500 Medienleute sind akkreditiert in St. Moritz, fast alle müssen täglich auf den Berg.

Stefan Sigwarth | über WM-Helfer

Es ist ja an sich kein weiter Weg vom KURIER-Quartier in St. Moritz-Bad hinauf ins WM-Ziel nach Salastrains. 45 Minuten benötigte Kollege P. zu Fuß für die Serpentinen mit 250 Höhenmetern.

Wer’s bequemer mag (und mehr Gepäck hat), bedient sich eines Shuttle-Busses. Wer in die Neunsitzer darf, entscheidet ein Uniformierter in gelb-blauer Skikleidung (ein Freiwilliger). Als Chauffeure der Kleinbusse, die zum Großteil vom Schweizer Militär zur Verfügung gestellt werden, dient dann ein Uniformierter in Khaki-Olivgrün mit orangen Streifen – ein Zivilschützer.

Nun ist es ja in der Schweiz so: Wer nicht seinen Dienst in der Armee ableistet, der muss zum Zivilschutz und dort jedes Jahr bis zum 40. Geburtstag für zwei Tage zur Verfügung stehen. Dafür wird eine Entschädigung bezahlt, Angestellte erhalten mehr als Selbstständige, auch wenn der "kleine Selbstständige", der heute am Steuer sitzt, eine Schädlingsbekämpfungsfirma hat und mit dieser schweizweit seine Leistungen anbietet. "Wegen des Geldes sitz’ ich nicht hier. Mehr wegen der Abwechslung."

1500 Medienleute sind akkreditiert in St. Moritz, fast alle müssen täglich auf den Berg. Entsprechend viele Kleinbusse sind unterwegs, entsprechend viele Zivilschützer sind im Einsatz. Die Schicht unseres Fahrers hat um fünf am Morgen begonnen, sie dauert acht Stunden, dann bleibt Zeit für die WM. Bis Donnerstag ist er noch im Einsatz, er erzählt, was das für ein Stau war, als am Samstag ein Bus für die Zuschauer auf der einen, engen Straße den Berg hinauf ins Ziel liegen geblieben ist. Und dass er mit seinem frontgetriebenen Fahrzeug kaum den Berg hochgekommen ist am frühen Samstagmorgen, weil noch so viel Schnee gelegen war. Nur seinen Namen, den darf er uns nicht nennen: "Anweisung vom Kommandant."

Auch beim Zivilschutz ist Disziplin das A und O: Am Samstag hat ein Kollege einen Blödsinn über den Funk erzählt, ui, das war was. Und doch haben es die Zivilschützer besser als das Militär – sie haben nur 18 Kilometer bis in ihre Unterkunft. Eine Kompanie der Armee muss täglich 70 Kilometer zurücklegen.

( kurier.at ) Erstellt am 13.02.2017