Meinung | Kolumnen | Notiz aus St. Moritz
11.02.2017

Cocktails trinken, Skifahren – und dabei Gutes tun

In St. Moritz wird auf das Skiteam von Haiti angestoßen.

Stefan Sigwarth | über ein starkes Projekt

Da stand er also im Februar 2011 in seinem roten Rennanzug auf einem Tisch im Pressezentrum der Ski-WM in Garmisch, sprach von den Leiden der Bevölkerung Haitis – und dann übermannten den stämmigen Mann die Gefühle. Jean-Pierre Roy, Computertechniker aus der Nähe von Paris, hatte sich nach dem katastrophalen Erdbeben mit mehr als 300.000 Toten ein Jahr zuvor vorgenommen, seinen Landsleuten Hoffnung zu geben. Als Skifahrer.

Er gründete einen Verband für Haiti, und als er dann erstmals auf der großen Bühne stand, da konnte der stämmige Franzose die Tränen der Rührung nicht mehr zurückhalten.

Mit zwei Jahren war Roy mit seinen Eltern aus Haiti geflüchtet. Damals herrschte Diktator François Duvalier, "Papa Doc" war für den Tod von mehr als 30.000 Menschen verantwortlich. Noch immer ist die Lage im Land nicht gut, mehr als zwei Drittel der zehn Millionen Haitianer haben keinen Job. Es gibt zwar viel Hilfe aus dem Rest der Welt, doch nur ein Teil kommt überhaupt am Ziel an. Und das will Jean-Pierre Roy ändern.

Bei den Weltmeisterschaften, wo er mit seinem Trainer und Freund Thierry Montillet in Erinnerung rufen will, dass da etwas war in der Karibik; und in seiner Heimat, wo er helfen will, Tourismus und Sport aufzubauen. Nun haben die beiden nicht viel Geld für ihre Aufgabe, und Thierry Montillet ist auch nicht der erfahrenste Betreuer, auch wenn seine Cousine Carole 2002 Gold in der Olympia-Abfahrt geholt hat.

Dafür haben sie aber umso mehr Herzblut, und die Zahl der Unterstützer wächst von WM zu WM. Inzwischen hat das haitianische Skiteam sogar Sponsoren für Auto und Skier.

Heuer haben Roy und Montillet noch mehr Unterstützung: Céline Marti, 37, wird in den Qualifikationen für Damen-Slalom und -Riesenslalom starten. "Schade, dass diese Bewerbe nicht in St. Moritz stattfinden", sagt Jean-Pierre Roy. Doch er hat es in den Beinen, sich über den Nachbarort Zuoz auf die Hauptbühne zu kämpfen. Im Medienhotel Reine Victoria in St. Moritz-Bad wird derweil auf den guten Zweck angestoßen: Wer einen von zwei speziellen Cocktails ordert, spendet indirekt einen Franken für die Projekte des UNO-Hilfswerks UNICEF auf Haiti.