"Kost’n bisschen Geld, aber is’ ja nur Geld"

In St. Moritz ist Urlaub für jedes Budget möglich. Na ja. Nein.

Florian Plavec | über den WM-Austragungsort

St. Moritz hat ein neues Ziel: Der Weltkurort will nicht mehr Inbegriff des Luxus-Tourismus sein und einzig Treffpunkt für die Schönen und (vor allem) Reichen. Die Ski-Weltmeisterschaft soll das Dorf langfristig verändern und den Wintersport wieder in den Mittelpunkt rücken. Denn nur noch 40 Prozent der Winter-Touristen in St. Moritz fahren auch Ski.

"Es gibt die Schwellenangst. Aber St. Moritz ist ein Dorf zum Anfassen", sagt OK-Präsident Hugo Wetzel. Natürlich werde der Ort primär noch immer mit Luxus in Verbindung gebracht. Doch Wetzel definiert Luxus anders – und spricht dabei im Stile eines Tourismus-Verantwortlichen. Er nennt die Zeit als viel wichtiger als weltliche Güter. "Sich Zeit zu nehmen ist bei uns immer und überall möglich." Vermehrt angesprochen werden sollen nun Familien und die Mittelschicht. Denn in St. Moritz sei Urlaub für jedes Budget möglich.

Na ja.

Nein.

Denn St. Moritz bestätigt Klischees. Tatsächlich ist in der Fußgängerzone der Prozentsatz der Pelzmantelträgerinnen und Champagnerbars extrem hoch; in den Schaufenstern liegen Luxus-Uhren und Diamanten, so exorbitant teuer, dass die Preise gar nicht angeschrieben werden; die Dichte an Rolls-Royce-Fahrzeugen ist nur in der Fabrik in England noch höher. Selbst das Badrutt’s Palace Hotel chauffiert seine Gäste mit dem Oldtimer-Rolls-Royce durch die Gegend. Gut, die teuerste Suite kostet dort auch 16.000 Franken. Pro Nacht, nicht pro Woche.

Innerhalb eines zweihundert Meter langen Spaziergangs durch die St. Moritzer Gässchen könnte man kaufen ...

... die kleine Handtasche um 2220 Franken (entspricht fast 1:1 Euro),

... den Mantel um 3850,

... die Portion Kaviar um 300, dafür inklusive Ofenkartoffeln,

... die Wohnung mit Seeblick, 140 , 4 Zimmern, um 5,5 Millionen,

... das Geschäftsreiseflugzeug Dassault Falcon, Baujahr 2002, um 11,5 Millionen,

... die Pizza Margherita (Tomaten, Mozzarella) um 22,50.

Das Taggeld, das der Reporter dem KURIER verrechnen darf, beträgt 36,80 Euro (entspricht leider auch fast 1:1 Franken). Demnach gilt nun: sparen!

Einen ganz anderen, entspannteren, angenehmeren Zugang zum Finanziellen hat da Kollege Sigwarth. Der bestellt sich nach der Bündner Gerstensuppe (11 Franken) noch genüsslich das Rindsfilet Diavolo (42.–). Dann greift er zur Dessertkarte und zum zweiten Bier (5,20) – und zitiert die Band Deichkind: "Kost’n bisschen Geld, aber is’ ja nur Geld."

( kurier.at , pmd ) Erstellt am 06.02.2017