Berge versetzen

Die Gedanken an seine Tochter haben ihm die Kraft gegeben

Mag. Natascha Marakovits | über Bewegung, die etwas in Bewegung setzt

"Der Glaube kann Berge versetzen", lautet ein abgedroschener Spruch. Dass dem so ist, werden die rund 2600 Teilnehmer der 24 Stunden Burgenland Extrem Tour bestätigen können. Ob die Originalstrecke einmal rund um den See (120 Kilometer), die Halbdistanz von Apetlon nach Oggau oder nur einen Teil: am Ende heißt es für alle Zähne zusammenbeißen und die eigenen Grenzen überwinden. Blasen an den Füßen, schmerzverzerrte Gesichter, kämpfen gegen den eisigen Wind, um am Ende Tränen der Freude und des Glücks freien Lauf zu lassen.

Von "bewundernswert", "unglaublich" bis zu "verrückt" oder gar "narrisch" – den Teilnehmern wird im Vorfeld so einiges nachgesagt. "Warum tut man sich das an?", fragen Menschen, die mit Sport nicht viel am Hut haben.

Die Organisatoren der 24 Stunden Burgenland Extrem Tour beschreiben es so: "Es ist eine Reise zu sich selbst." Denn Bewegung setzt etwas in Bewegung. Schritt für Schritt oder heuer auch erstmals Tritt für Tritt auf dem Fahrrad. Wer sich dem Abenteuer stellt, lernt sich selbst besser kennen oder kann auf dem stundenlangen Weg durch die Natur Dinge verarbeiten, für die sonst keine Zeit ist. Zeit ist auch das Stichwort: Anders als bei anderen Sportveranstaltungen gibt es keine Zeitmessung. Maßstab sind die eigenen Grenzen. Jeder so weit, wie er kann.

Besonders beeindruckt hat mich dieses Jahr Manuel Reisner. Gemeinsam mit zwei Freunden hat sich der Oberpullendorfer auf den langen Weg von Apetlon nach Oggau gemacht, um nach dem Tod seiner kleinen Tochter Spenden für kranke Kinder zu sammeln. Er habe nicht viel trainiert und wisse nicht, ob er die 60 Kilometer schaffen werde, zeigte er sich beim Interview skeptisch.

Nach 14 Stunden und 15 Minuten kam er schließlich in Oggau an. Mit der Tour wollte er seiner Tochter ein Denkmal setzen. Es ist ihm gelungen, er hat es geschafft. Die Gedanken an seine Tochter haben ihm die Kraft gegeben. "Der Glaube kann Berge versetzen" , heißt es. Gratulation an alle, die ihren Berg versetzt haben!

eMail: natascha.marakovits@kurier.at

( kurier.at ) Erstellt am 06.02.2017