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14.03.2016

Pop-up-Braut

Das Paar muss nicht mal die Torte kaufen – auf Wunsch wird sie nur fürs Foto geliefert.

Das Paar muss nicht mal die Torte kaufen – auf Wunsch wird sie nur fürs Foto geliefert.

Mag. Simone Hoepke | über Pop-Up-Bräute

Pop-up-Stores sind so ähnlich wie Flashmobs. Sie tauchen plötzlich irgendwo auf und sind wenig später auch schon wieder verschwunden. Wie die Container voller Verleih-Skier, die in Wintersportgebieten aufpoppen. Oder die käfigartigen Design-Shops in sonst leeren Gängen von Shoppingcentern. Kommt zu wenig Kundschaft – halb so schlimm. Der Laden wollte ohnehin bald wieder zusperren.

So weit, so bekannt. Jetzt gibt es aber eine Pop-up-Idee für den privaten Gebrauch: Pop-up-Hochzeiten. Dabei taucht die Hochzeitsgesellschaft quasi so schnell wieder ab, wie sie aufgetaucht ist. Binnen einer Stunde ist alles vorbei. Passt perfekt zu einer Gesellschaft, die eh immer unter Zeitdruck ist, finden Wedding-Planner in den USA und Australien. Sie karren Paare samt mobilem Altar an weiße Sandstrände oder wahlweise auch in die Wüste. Dazu ein paar Blumen, maximal 20 Leute und viele Fotos zum Posten und Twittern. Geht alles ganz schnell und billig, sagen die Weddingplanner. Das Paar muss nicht mal die Torte kaufen – auf Wunsch wird sie nur fürs Foto geliefert. Wie das Kleid, der Brautstrauß und alles andere.

Vor den langfristige Folgen warnen die Hochzeitsplaner nicht. Wie die Erbtante reagiert, wenn die Hochzeitstorte wieder abserviert wird, bevor sie überhaupt angeschnitten wurde, will man sich hierzulande lieber nicht vorstellen.