Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
09/06/2016

Klimawandel

Mit dem Klima draußen normalisiert sich auch das zwischenmenschliche Klima drinnen, im Büro.

Julia Pfligl | über Klimaanlagen-Kämpfe

Falles es jemanden interessiert: Ich trage zum ersten Mal seit fünf Monaten wieder Socken. Und eine Hose, die bis zu den Knöcheln geht. Zwei Tage Regenwetter haben aber auch etwas Befreiendes: Endlich kann man wieder ohne schlechtes Gewissen vor dem Fernseher einschlafen und muss sich nicht überlegen, in welchem überfüllten Park/Schanigarten/Freibad man den sonnigen Abend verbringt. Bügeln, kochen, föhnen ist wieder möglich, ohne die gesamte Wohnung in eine finnische Sauna zu verwandeln. Und: Mit dem Klima draußen normalisiert sich auch das zwischenmenschliche Klima drinnen, im Büro.

Denn gemäßigte Temperaturen bedeuten auch, dass das Rittern um die richtige Klimaanlagen-Einstellung endlich ein Ende hat – weil sie ganz einfach nicht eingeschaltet wird. An einem heißen Sommertag im (großteils weiblich besetzten) Großraumbüro findet sich nämlich selten eine Temperatur, die den Befindlichkeiten aller entspricht. Das läuft meist so ab: Kollegin X sagt "Puh, da is’ aber warm herinnen" und dreht das Rädchen auf Minus. Eine halbe Stunde später dreht Kollegin Y wieder auf Plus, weil sie Kopfweh/Nackenschmerzen/einen Schnupfen hat. So geht’s dahin, bis die Letzte das Büro verlassen hat. Oder endlich der Herbst ins Land zieht.