Winterradler

Im Jänner vor dreißig Jahren wurden die paar Radwege, die es damals in Wien gab, nicht vom Schnee geräumt. Wenn die paar Winterradler, die es damals gab, dies sehr vorsichtig kritisierten, wurden sie kalt ausgelacht.

Im Jänner 2018 gibt es in Wien ein X-faches an Radwegen, eine gut funktionierende Schneeräumung und dazu auch ein X-faches an Winterradlern. Sie werden jetzt nicht mehr kalt ausgelacht, da und dort aber noch milde belächelt. Zudem gibt es noch immer eine Vielzahl an alternativen Fakten, die man auch in diesem Winter mühsam zu entkräften versucht:

Nein, man muss auf dem Rad nicht zwangsläufig erfrieren. Es ist einem nach spätestens drei Fahrminuten auch spürbar wärmer als all den Menschen, die aus ihren wohltemperierten Kraftfahrzeugen ins Freie steigen.

Nein, man wird nicht jeden Tag bis auf die Unterhose nass. Winterradler wissen: Die Tage mit echtem Niederschlag sind in Wien übers Jahr verteilt relativ selten. Unser natürlicher Gegner ist viel mehr der teils kräftige Westwind.

Nein, man verwendet keine Spikes. Aber man ist mit einem gut gewarteten Rad und weniger Bar in den Reifen unterwegs.

Nein, man ist auch kein Django, viel mehr ein Mensch, der im Winter viel Geld spart, weil das Rad-Service relativ billig ist.

(Kurier) Erstellt am
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