Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
07.12.2017

Pfitschigogerln

Ich versuche mir gerade das Aussendungsschreiber-Leben vorzustellen.

Mag. Uwe Mauch | übers Pfitschigogerln

Die Taxi-Vermittlungsplattform, die neu ist in Wien, lässt offensichtlich nichts unversucht, um mich alten Sack in ihr Boot zu ziehen: „Wer gerne noch mit echten Münzen und Scheinen bezahlt“, lese ich da in ihrer Aussendung, könne das ab sofort auch in ihren Taxis tun.

Ein Entgegenkommen für alle analogen Old Styler? Nicht ganz. Denn um mit echten Münzen und Scheinen (wer weiß eigentlich noch, wie die aussehen und wie sie sich anfühlen?) zahlen zu können, muss man die Vermittler-App runterladen und im Menü unter Zahlungen Bargeldzahlungen auswählen.

Ich versuche mir gerade das Aussendungsschreiber-Leben vorzustellen: Besitzt er/sie noch ein richtiges Sparschwein? Weiß er/sie, was ein Groscherlgeschäft ist? Ein Geldbörsel? Pfitschigogerln (Spiel mit Münzen auf dem Tisch)? Anmeierln (Spiel mit Münzen gegen die Wand)? Und weiß er/sie, wie man einen „Kilo“ in der Wiener Vorstadt in Euro umrechnet?

Ich will die neue Plattform nicht von vornherein schlecht reden. Immerhin wirbt sie damit, dass sie ihre Fahrer besser bezahlt als die Mitbewerber, aber ganz ehrlich: Wenn ich mit echten Münzen und Scheinen um mich werfen möchte (gefälschtes Geld besitze ich nicht), gehe ich zum nächsten Taxi-Stand. Der Taxler dort verlangt nicht einmal eine App.