über die "Vorstadtweiber"
03/15/2016

In der Vorstadt

von Julia Pfligl

Eine Szene bildete das (Eltern-)Leben in der Vorstadt dann doch ziemlich realitätsnah ab.

Julia Pfligl | über die "Vorstadtweiber"

Wenn das die Vorstadt ist, möcht ich da nicht hin. Geht es nach den Drehbuchautoren der "Vorstadtweiber", deren zweite Staffel gestern angelaufen ist, tummeln sich in Wiens elitären Randbezirken nämlich vorwiegend Frauen, die das Geldverdienen ihren Gatten überlassen (außer Nicoletta, die – zumindest bis zu ihrer Haftstrafe – eine Nobelboutique besitzt, ist keine der Protagonistinnen berufstätig) und mit pseudo-lustigen Sprüchen um sich werfen ("Es gibt Männer, die denken mit gar nichts"). Auch sonst glänzen die Döblinger Damen nicht gerade mit Hausverstand: Walli stapft in Riemchen-Heels über den gatschigen Kinderspielplatz (warum auch immer, die Freude auf ihr eigenes Ungeborenes hält sich nämlich in Grenzen), Maria lässt sich von ihrem Callboy schwängern und Caro will ihren angegrauten Banker-Ehemann während der Sexualtherapie flachlegen. Echt jetzt?

Eine Szene bildete das (Eltern-)Leben in der Vorstadt dann doch ziemlich realitätsnah ab: Während die schwangere Walli auf der Spielplatz-Bank in Selbstmitleid zerfließt, kreisen die ehrgeizigen Helikopter-Mütter um ihre tobenden Oskars und Emmas. Und dann, plötzlich, ertönt im Hintergrund ein mahnender Satz, der sicher schon auf vielen Vorstadt-Spielplätzen gefallen ist: "Emil, du verpasst deine Cello-Stunde!"

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