Meinung | Kolumnen | Meine Stadt
17.09.2015

Heimspiel für Aufwiegler

Ihre Abgeordneten treten heute lieber im Fernsehen und auf Hochglanzplakaten in Erscheinung.

Mag. Uwe Mauch | über die regierenden Abwiegler

Im Wahlsprengel, in dem ich seit bald dreißig Jahren zu Hause bin, hat am letzten Wahltag mehr als die Hälfte der Bewohner für jene Partei gestimmt, die uns ständig erklärt, was in dieser Stadt und in diesem Land nicht funktioniert. Deren Führer uns aber noch nie darlegen konnten, wie sie die – zugegeben – dringlichen Probleme des Abendlands ernsthaft in den Griff bekommen wollen.

Jede/r Zweite! Meine Nachbarn sind nicht bösartiger und auch nicht blöder als die Nachbarn anderswo. Ich darf das, ich muss das so sagen. Sie beklagen allerdings, dass sich seit Jahren – mit Ausnahme der Aufwiegler – niemand um ihre Sorgen kümmert. Sie haben Angst, einen meist schlecht dotierten Job zu verlieren oder ewig arbeitslos zu bleiben. Dazu kommt, dass sie ihre Informationen ausschließlich aus den Krawallmedien beziehen. Dort wird ihnen täglich im Superlativ-Jargon eingetrichtert, wie miserabel die Welt ist.

Die regierenden Abwiegler, für die schon die Vorfahren meiner Nachbarn gestimmt haben (nicht zuletzt aus Dankbarkeit, weil sie eine Arbeit beim Konsum oder eine leistbare Wohnung bekommen haben), sind indes von der realen Bildfläche verschwunden. Ihre Abgeordneten treten heute lieber im Fernsehen und auf Hochglanzplakaten in Erscheinung.