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26.04.2017

Feminismus ad absurdum

Man möchte ganz laut schreien oder sich die Decke über den Kopf ziehen und weinen

Anna-Maria Bauer | über falschen Feminismus

Also irgendetwas läuft hier gerade gewaltig schief.

Wenn die Informationsdirektorin eines österreichischen Privatsenders das Werbesujet einer Dessousmarke in Bezug auf das dort dargestellte Frauenbild hinterfragt (kaum bekleidet, dreckiger Boden) und nach viel Diskussion dann ein Mann, der in diese fragwürdig dargestellte Frauengruppe "gerne mal reinspringen" würde, ihren Kampf für Frauenrechte in Frage stellt, weil sie u.a. Madonna bewundere und deren Sexexzesse und Live-Masturbationen ja auch nicht feministisch seien. Dann fragt man sich schon.

Wenn dann auch noch ein Radiosender eine Muttertagsaktion kreiert, bei der sich Mutter und Tochter gemeinsam ihre Oberweite vergrößern lassen können, und Kritikern der Aktion allen Ernstes erklärt, ihr Angebot sei doch emanzipatorisch. Schließlich sollte jede Frau das Recht haben, selbst über den eigenen Körper zu entscheiden. Dann würde man am liebsten in den Wald gehen und ganz laut schreien oder sich die Decke über den Kopf ziehen und weinen.

Darf man beides nicht. Man muss die Ärmel aufkrempeln und weiterarbeiten. Denn wenn Menschen anfangen, Feminismus gegen Feministen einzusetzen, steht es um die Gleichberechtigung noch nicht sehr weit.

Das zeigt übrigens auch der kürzlich veröffentlichte "Gläserne Decke Index" des Economist. Wir sind auf Platz 18. Zwei Plätze schlechter als im Jahr zuvor.