Überfällige Debatte

Die Herkunft von 4400 Bildern ist ungeklärt, der Provenienzforschung fehlt es an Personal und Geld.

Georg Leyrer | über Provenienzforschung

Seit nunmehr bald 68 Jahren winden sich die Verantwortlichen über Parteigrenzen und Politikergenerationen hinweg, wenn es um die Erforschung und Rückgabe der zweifelhaft ererbten Millionenwerte geht“, schreibt Der Spiegel. Das Magazin kritisiert den mangelhaften Umgang mit jenen Kunstwerken in deutschen Museen, die die Nazis den Juden geraubt hatten, als „moralisches Desaster“. Die Herkunft von 4400 Bildern ist ungeklärt, der Provenienzforschung fehlt es an Personal und Geld.

Österreich hat in dieser Debatte (im Vergleich) eine Vorreiterrolle eingenommen. Österreichs Museen erforschen seit 1998 (eigentlich auch spät!) auf gesetzlicher Basis ihre Archive, es gibt eigene Historiker und zahlreiche Rückgabebeschlüsse zu (auch) prominenten Werken. Es gab „wesentlich mehr Fälle als angenommen“, betonte die Kommission für Provenienzforschung. Und ja, es war und ist ein schwieriger Prozess. Begleitet von einem unguten Chor jener, die ausgerechnet jenen Gier vorwarfen, denen Eigentum unrechtmäßig entzogen worden war.

„Die Deutschen könnten von den Österreichern lernen“, so Der Spiegel, bemerkenswerterweise über eine Auktion 1996 von unzuordenbarem jüdischen Kulturbesitz, die hierzulande längst höchst kritisch gesehen wird. Das zeigt: Die schwierige Debatte ist in Österreich inzwischen weitergediehen. Aber noch nicht zu Ende.

georg.leyrer@kurier.at

Erstellt am 28.01.2013