Staus der Geschichte

Wann kommt denn jetzt also diese kulturelle Zukunft?

Georg Leyrer | über die heiße Luft rund um die kulturellen Innovationen.

Das hätte sich Marty McFly in „Zurück in die Zukunft“ wohl nicht gedacht – dass er 2015 ein AC/DC-Konzert besuchen und neue Alben von Bob Dylan und Pink Floyd hören könnte.

So sexy all die kulturellen Zukunftsversprechen sind, so enthusiastisch alle paar Monate die „Zukunft“ des Irgendwas (des Lesens, des Kinos, des Fernsehens) ausgerufen wird: Es ist in der Kultur verwunderlich vieles beim Alten geblieben seit 1985, als McFly in die Zeitmaschine stieg. Auf der Autobahn (Kraftwerk-Zitat!) in die Zukunft staut sich die Geschichte.

Die Spielpläne großer Bühnen und Musikhäuser unterscheiden sich an allzu vielen Tagen nicht von jenen vor 30 Jahren. Selbst jene Bereiche, die sich einst gegen überkommene (Hoch-)Kulturansprüche richteten, kommen nicht mehr ganz so frisch rüber (ja, wir meinen dich, liebe Popmusik). Und auch die Zukunft des Fernsehens ist weiter weg, als die Online-Aufregung um neue TV-Dienste nahelegen würde.

Wann kommt denn jetzt also diese kulturelle Zukunft, von der alle so gerne reden? Vielleicht muss McFlys DeLorean-Zeitmaschine noch 30 Jahre in die Zukunft reisen. Sind dann die Popstars wieder jünger als die Opernsänger? Die aufgeführten Stücke und Werke jünger als 100 Jahre?

Nur eines ist sicher: Auch dann werden alle darüber reden, dass die „Zukunft der Kultur“ ganz, ganz bald starten wird.

Erstellt am 26.01.2015