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04.03.2013

Die innere Midlife-Krise

Wo kommen wir denn da hin, wenn Pop plötzlich nicht mehr an der Oberfläche stattfindet?

Georg Leyrer | über Nicki Minaj & Pop

Erinnern Sie sich noch an Nicki Minaj? Die war einst – also vor wenigen Monaten – für aufgeregt vor sich hin aufgeregte Popjournalisten die neue Lady Gaga, also so etwas wie die neue neue Madonna. Um die zwei zu übertreffen, muss man sehr schrill daherkommen, und Minaj hat ihr Bestes gegeben: Die Popsängerin hat mit grellbunten Perücken, grellerbunterem Make-up und grellstbuntestem Outfit ausgesehen wie eine Mischung aus Las-Vegas-Leuchtreklame und der Parodie einer 80er-Jahre-Rapperin.

Jetzt aber hat sie ihren Stylisten gefeuert, und ja, das interessiert die Leut’. Nicht zuletzt wegen der Begründung: Minaj will als Musikerin ernst genommen werden, und das Styling habe dies verhindert. Da steht nun einerseits zu befürchten, dass von Minaj ohne Make-up nicht viel überbleibt. Ungefähr so, als würde Lana del Rey nicht mehr aussehen wie eine 50er-Jahre-Hausfrau oder Madonna in Würde altern.

Und andererseits ergibt das Grund zur Sorge über den Zustand des Pop. Wo kommen wir denn da hin, wenn Pop plötzlich nicht mehr an der Oberfläche stattfindet? Niemand braucht, neben Theater und Oper, eine weitere Kunstsparte, die sich in die innere Midlife-Krise stürzt und nur dann zufrieden ist, wenn sie ernst genommen wird. Hoffentlich ist Minajs Nachfolgerin (also die neue neue Lady Gaga bzw. die neue neue neue Madonna) wieder so richtig schön bunt.