Meinung | Kolumnen | Knecht
20.12.2012

„Wo aber sollen wir hinlaufen?“

Exakt diese Tage hat ULP sich ausgesucht, um eine zentrale Filiale geschlossen zu halten.

Exakt diese Tage hat ULP sich ausgesucht, um eine zentrale Filiale geschlossen zu halten

Doris Knecht | über die Post

Kürzlich wurde hier Leserin Klara E.s Geschichte mit ihrer Postfiliale in der Josefstadt erzählt: Sie erinnern sich, wie Frau E. ein Paket mit dem Geburtstagsgeschenk ihres Sohnes abholen wollte, und die Filiale in Umbau und geschlossen vorfand.

Die Geschichte nahm später in einem Ausweichlokal ein gutes Ende, aber nun mailte die Leserin erneut: Weil sie Donnerstagfrüh noch zwei letzte Weihnachstgeschenk-Packerln verschicken wollte, hierfür ebenjene Ausweichfiliale betrat und dort ein Lager vorfand. Sie habe den nächstbesten, daraus heraustretenden Menschen, einen Umzugsarbeiter, gefragt, wo um Himmelswillen die Filiale geblieben sei, und der deutete in Richtung der Baustelle und sagte, die habe aber – was ein Blick der Leserin durch das Schaufenster bestätigte – noch nicht geöffnet: Soviel ihm bekannt sei, funktionierten die Computer nicht und die Techniker seien bisher nicht gekommen. Mittag vielleicht, habe er gehört. Ein anderer Postkunde sei hinzugekommen und habe berichtet, das sei am Vortag auch schon so gewesen. Man schrieb, um das noch einmal zu verdeutlichen, den 19. bzw. 20. Dezember, vier bzw. fünf Tage vor Weihnachten: Exakt diese Tage hat ULP sich ausgesucht, um eine große, zentrale Filiale leider geschlossen zu halten.

Auch Dr. Gunther C. mailte. Er schrieb, er und seine Kollegen eines Ärzte-Zentrums in Wiener Neustadt seien „echt stinksauer“. Denn: „Wir brauchen Befunde, um unsere Arbeit erledigen zu können“, aber seit etwa zwei Wochen bringe ULP die entweder nach 12 Uhr oder gar nicht mehr. Beim Service-Telefon habe er „gestoppte 40 Minuten“ in der Schleife gewartet, bei der zuständigen Zustell-Abteilung kam er nicht mal zu einemBand, da hob einfach niemand ab.

Wenn er als Arzt sich einfach kommentarlos tot stelle, schrieb Dr. C., liefen ihm die Patienten weg. „Wo sollen aber wir hinlaufen, wenn die Post einfach nimmer ihre Arbeit macht??“ In die Postfiliale 1080 lieber nicht. Die hatte auch am Nachmittag „bis auf weiteres“ geschlossen.