Versaute Träume mit Schaumrollen

Die Fastenden haben meine volle Bewunderung.

Doris Knecht | über die Fastenzeit

Fasten Sie auch? Unter den Freunden tun es einige; die meisten davon sind keine praktizierenden Katholiken. Aber auch Ungläubige können der Idee einer Fastenzeit etwas abgewinnen. Mein Freund Horwath trinkt 40 Tage keinen Alkohol. Der H. tut nicht nur das, er isst auch bis Ostern kein Fleisch, kompensiert seinen Verzicht aber mit erheblichen Mengen Schokolade: ein bissl Trost muss sein. Die S. dagegen entsagt Süßem und geistigen Getränken. Auch Ihre Autorin fastet: ich verzichte wie jedes Jahr auf Kohlrabi, rohen Zwiebel, Glasl-Pfefferoni und Bananenlikör.

Nein, man soll sich nicht lustig machen übers Fasten. So eine Zäsur, so ein bissl ein Reboot tut dem Menschen gut, seinem Organismus und auch seiner Seele. Und da man in der Fastenzeit damit nicht allein ist, tut man sich dabei leichter. Plus: Man muss sich nicht allerweil erklären wie der C., der immer vor Weihnachten drei Monate lang nichts trinkt, was besonders in den letzten Wochen erstens nicht leicht und zweitens von einem permanentem Rechtfertigungsdruck erschwert sein dürfte.

Die Fastenden haben meine volle Bewunderung: Mir sind 40 Tage ganz ohne Fleisch, ohne einen einzigen Gspritzten oder völlig ohne Süßigkeiten einfach zu lang. Über so viel Selbstdisziplin verfügt die Autorin einfach nicht, da wäre die schmetternde Niederlage schon eingebaut. Eher gelingt dagegen der Versuch, ein bisschen was von der Idee hinter dem Fasten und dem Verzicht – mäßiger, weniger, gesünder – aufs ganze Jahr zu übertragen. Vielleicht, weil kleine Rückschläge nicht totales Scheitern bedeuten, sondern nur ein Schritt, den man heute halt einmal nicht gemacht hat: morgen macht man ihn dann wieder, geht man weiter. Tut wieder ein bisschen weniger von dem, was einem schadet, und ein wenig mehr von dem, was einem guttut.

Natürlich entgehen einem so herrliche Fasten-Erlebnisse, wie S. sie derzeit hat, die von fantastischen, versauten Träumen mit Schaumrollen in der Hauptrolle berichtet. Ist eben für vieles gut, das Fasten.

Erstellt am 14.03.2014