über die Pegida
01/07/2015

Vernunft versus Gefühle – 0:1

von Doris Knecht

Wer, warum, wie damit umgehen, wie darauf reagieren?

Doris Knecht | über die Pegida

Vor einem Monat musste man noch googeln, was Pegida heißt, jetzt nicht mehr. Jetzt beherrscht die Bewegung die Öffentlichkeit. Und wirft viele W-Fragen auf: Wer, warum, wie damit umgehen, wie darauf reagieren?

"Was den Blick des überzeugten Demokraten trübt, ist die eigene Vorstellung: dass nämlich Demokratie eine rationale Gesellschaftsordnung, eine Vernunftsordnung sei", schrieb die Wiener Philosophin Isolde Charim vor ein paar Tagen in der Berliner taz – und damit für das weitgehend ratlose linke Publikum der Pegida-Show. Ihr Kommentar ("Der zentrale Zündstoff") ist das Klügste und Erhellendste, was ich bisher zu Pegida gelesen habe. Charim macht verständlich, warum so viele Menschen sich von den Pegida-Forderungen auf die Straße treiben lassen, und sie erklärt die Hilflosigkeit herkömmlicher Parteipolitik der Pegida gegenüber. Denn rationale Politik neige dazu, Gefühle als Abweichungen zu betrachten, "als pathologische Störungen, als das Irrationale, das den politischen Prozess stört." Das sei, schreibt Charim, zugleich theoretisch falsch und strategisch dumm und führe letztlich zu einer verkehrten Reaktion auf die Pegida.

Man müsse, fordert Charim, aufhören, politische Gefühle (anders als private) in gute und schlechte zu dividieren. Zorn sei, auch im Sinne Peter Sloterdijks, sehr wohl eine gesellschaftsverändernde Kraft, und linke Massenparteien und die ehemaligen Volksparteien hätten sich zwar als Verwalter dieser Emotionen angeboten, sie dann allerdings nur deponiert. Und damit, wie Charim meint, verspielt und ihre WählerInnen zu "emotional Obdachlosen" gemacht, die nun ein neues Dach überm Kopf suchen.

Und in der Pegida finden, die wie ein Emotionskraftwerk funktioniert, in dem Gefühle nicht nur verwaltet, "sondern auch produziert, reproduziert, erneuert" werden. Wie darauf reagieren? Nicht mit Vernunft, meint Charim, auch nicht mit Populismus: Sondern mit "symbolischer Politik", die "die Emotionen berührt". Sehr bedenkenswert.

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