über den Anschlag auf Charlie Hebdo
01/08/2015

Stille, hilflose Zeichen der Solidarität

von Doris Knecht

Das ist ein weiterer, ein großer Rückschlag für die Meinungsfreiheit

Doris Knecht | über den Anschlag auf Charlie Hebdo

Eigentlich wollte diese Kolumne heute Geburtstag feiern, den 20. von FM4. Dann wurden in einer Redaktion in Paris 12 Menschen erschossen. Während ich das schreibe, lese ich die aktuellen Meldungen und schaue ich zu, wie die Zahl der Facebook-Fans von Charlie Hebdo im Sekundentakt steigt. 13.37: 266.665. 13.39 Uhr. 267.435. Es sind stille, hilflose Zeichen der Solidarität, der Anteilnahme mit der Redaktion. Und des Zorns über den Terror-Anschlag auf ein Magazin, das es immer wieder gewagt hat, sich über religiösen Fanatismus lustig zu machen.

Es ist nicht nur ein Anschlag auf Charlie Hebdo und seine Mitarbeiter: Das ist ein Anschlag auf die Meinungsfreiheit als solche. Ein Versuch der Einschüchterung nicht nur der französischen, sondern aller Journalistinnen und Journalisten: Sich künftig lieber ganz genau überlegen, wen sie kritisieren, wessen Weltbild sie infrage stellen, über wen sie Witze machen und mit welchen Mitteln. Jeder Medienmitarbeiter soll fortan Angst haben, jede Reporterin, jeder Karikaturist, jede Kommentatorin soll sich überlegen, ob er oder sie bereit ist, das eigene Leben zu opfern für einen Kommentar, eine Zeichnung, eine Reportage, eine Kritik. (14.03 Uhr: 275.007)

Das ist ein weiterer, ein großer Rückschlag für die Meinungsfreiheit in einer Zeit, in der sie sowieso von allen Seiten bedroht ist. Von dem Hass, der Journalisten und vor allem Journalistinnen aus dem Internet entgegenschlägt, mitunter so bedrohlich, dass viele es längst vorziehen, zu bestimmten sensiblen Themen keine Meinung mehr zu haben, weil sie sich den Reaktionen, die das erzeugt, den anonymen Anwürfen, Beschimpfungen und Drohungen nicht mehr gewachsen fühlen. (14.30 Uhr: 286.778). Und in der eine Bewegung mit diffusen Anliegen und immer mehr Zuspruch die gesamte Medienszene als "Lügenpresse" beleidigt.

Anstatt den KollegInnen von FM4 zu gratulieren, gedenken wir heute der toten Kolleginnen und Kollegen in Paris. Und der Meinungsfreiheit.

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