Ok, davon ist eher abzuraten

Katzenfotos posten - schauen wir einmal, wer das verbieten möchte.

Doris Knecht | über Fotos auf Facebook

Die Liste der Dinge, die man bei dieser Sau-Kälte optimalerweise während des Daheimbleibens so tut, haben wir letztes Mal schon begonnen. Wir ergänzen: stricken, häkeln, Katze streicheln. Und dann man kann das Gekochte, Gestrickhäkelte und die Katze sorgfältig fotografieren. Und dann kann man die besten Fotos auf Facebook posten. Und dann kann man es sich in einer stabilen Position vor dem Computer bequem machen und geschmeidig den Watschen ausweichen, die unweigerlich vom Bildschirm geflogen kommen.

Denn irgendjemand, offensichtlich jemand, der bei Facebook in Fragen der Etikette etwas zu melden hat, muss irgendwann entschieden haben: Katzenfotos posten ist letztklassig, Essen-Fotos soll keiner sehen müssen, Gestricktes und Gehäkeltes ist ganz pfui uncool und löst sofort beigen Spießer-Alarm aus. Erst kürzlich wieder hat ein neu dazugekommener Freund verlautbart, er lösche sofort jeden, der es wage, ein Katzenfoto postet, und jede, die ihr Mittagsmahl herzeige, müsse ebenfalls mit prompter Entfreundung rechnen. Aha.

Natürlich hat Ihre Autorin sofort das Foto einer (völlig fremden) Katze gepostet, und eins von ihrem Teller mit den Resten vom Kartoffel-Gulasch und dann noch eins von einer halb gestrickten Haube.

Weil das schauen wir einmal, wer das verbieten möchte. Warum diese naserümpfende Intoleranz? Warum soll nicht jeder jedes Foto posten, an dem er Freude hat, solange damit keine Gesetze oder die Würde anderer Menschen verletzt werden? Ok, es ist abzuraten von zu privaten Fotos privater Körperregionen speziell im akuten Kontakt mit den privaten Körperregionen anderer, das wird später oft heftig bereut. Aber sonst? Eben. Ich geh dann mal die Katze fotografieren.

Und danach doch noch warm anziehen, die Amtliche Wahlinformation finden und hinausmarschieren ins Kalte, um im Abstimmungslokal mit zwei Kugelschreiber-Strichen die Entscheidung bezüglich des Bundesheers kundzutun. Ach, Sie waren schon? Beneidenswert.

Erstellt am 20.01.2013