über die Räumung im Stadtpark
10/22/2013

Obdachlosigkeit einfach wegzaubern

von Doris Knecht

Obdachlosigkeit einfach wegzaubern

Doris Knecht | über die Räumung im Stadtpark

Letzte Woche wurden die Obdachlosen aus dem Stadtpark weggeräumt, ohne Vorwarnung. Ungefähr 20 bis 30 Personen übernachten dort auf den Bänken und wurden nun auf Basis der Wiener Kampier-Verordnung vertrieben. Die verbietet „das Auflegen und Benützen von Schlafsäcken“ außerhalb von Campingplätzen.

Die Exekutive ging, wie schon bei der Räumung des Flüchtlings-Camps vor der Votivkirche, ohne die Einbindung von Sozialarbeitern und recht rücksichtslos vor, denn bei dem, was bei der Räumung im Stadtpark weggeschmissen wurde, handelte es sich keineswegs um „Müll“, sondern um die Habseligkeiten der dort lebenden Obdachlosen; ihre einzigen Habseligkeiten.

Was in der Zwischenzeit passiert ist: Die Caritas hat entschieden gegen die Aktion protestiert, Sozialarbeiter der Gruft und anderer Organisationen versuchen, die versprengten Wohnungslosen aufzuspüren und denen, die sich jetzt im Gebüsch verstecken, zu helfen. Und es haben sich Anrainerinnen und Anrainer mit den „Nachbarn aus dem Stadtpark“ solidarisiert, sie bringen Decken und Essen. Denn dass man das Problem Obdachlosigkeit nicht löst, in dem man die Obdachlosen wegzaubert, ist ja wohl jedem Kind klar. Mehr noch: Bereits ein Drittel der Wohnungslosen ist unter 30; Wohnungslosigkeit wird immer mehr zu einem Problem der Jungen.

Die Stadt Wien sperrt ihre Notquartiere nur für den Winter auf: Das entspannt die Sache nicht. Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner appelliert an die Zuständigen, diesen Umstand zu ändern: „Obdachlosigkeit ist 365 Tage im Jahr ein Problem, nicht nur im Winter.“ (Ein paar Minuten nach dem Telefonat mit Schwertner kam eine Aussendung: Die Winterhilfe der Gemeinde startet heuer schon am 1. November.) Im Hinblick auf den Winter bittet die Caritas bereits jetzt um Spenden für Gruft-Winterpakete: 50 Euro für einen Schlafsack und eine warme Mahlzeit. Spenden online unter www.caritas.at oder auf das Konto 40 40 50 050, BLZ 31.000. Löst das Problem nicht, hilft aber.

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