Macht schlank, fit, gesund und schön

Gut, hiermit ist Nahrungsaufnahme also Kolumnen-Thema der Woche. Weil wir gestern und vorgestern über Gemüse sprachen: Es ist noch nicht lange her, da kannten die meisten Menschen das Wort "vegan" nicht. Und von denen, die es kannten, waren viele der Meinung, es handle sich bei Veganern um fundamentalistische Spinner, quasi die Schnittmenge von psychisch originellen Laktose-Intoleranzlern und gewaltbereiten Tierschützern.

Das hat sich, auch dank regelmäßiger Fleisch- und Tierhaltungsskandale, schnell geändert, und vegan ist in relativ kurzer Zeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und in den Kochbuch-Bestsellerlisten, wo alles, was der Deutsche Attila Hildmann in die Töpfe rührt, zu einem Verkaufshit wird. Dank Hildmann wurde veganes Kochen chic, nicht zuletzt, weil er sich selber als Beweis dafür präsentiert, dass vegane Ernährung schlank, fit, gesund und schön mache. Wobei die Muckis auf den Nachher-Fotos im Netz wohl eher aus dem Fitnessstudio stammen, denn von Fisolen und Fenchel. Dennoch: es ist einer dieser Trends, bei denen es begrüßenswert ist, dass sie im Mainstream gelandet sind, weil sie das Denken über Nahrung in Zeiten der Lebensmittel-Industrialisierung im Ansatz aushebeln.

An dieser Stelle sei auf den Blog www.esskultur.at der Food-Expertin und Kochbuch-Autorin ("Österreich vegetarisch") Katharina Seiser verwiesen, der vielleicht ein Alzerl sehr humorlos und pedantisch daherkommt, aber absolut fundierte Informationen über Lebensmittel bietet.

Unter anderem hat Seiser nach einem veganen Selbstversuch den "Tierfreitag" erfunden, hinter dem die Idee steckt, sich an einem Tag der Woche Tier-frei zu ernähren, also praktisch eine säkular-vegane Fortführung des christlichen Brauchs des fleischfreien Freitags. Der Blog dient in diesem Fall auch als "Sammelstelle für Beiträge über appetitliche Pflanzen-Rezepte ohne Ersatzprodukte und vorbildliche Tierhaltungsprojekte zum Tierfreitag" wie dort heißt. Feine Idee, nicht nur für Spinner.

(kurier) Erstellt am
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