Wer füttert im Urlaub meine Katze?

In Zürich hat ein Designer- Team vor ein paar Tagen "Pumpipumpe" vorgestellt, lustige kleine Ikons für den Briefkasten: sie informieren Nachbarn darüber, dass sie sich bei dieser Nachbarin eine Bohrmaschine ausleihen können, bei jenem Nachbarn ein Schachbrett oder eine Lichterkette für die Party.

In Wien gibt es seit Kurzem etwas Ähnliches, nur funktioniert es via Internet: www.fragnebenan.at, eine Nachbarschafts-Plattform, bei der man sich anmelden kann, wenn man mit den Leuten in seiner unmittelbaren Umgebung oder auch direkt in dem Haus, in dem man wohnt, in Kontakt kommen und sich austauschen möchte. Weil, wie es auf der Facebook-Seite von "FragNebenan" heißt, "Nachbarn mehr können als nachts Lärm machen".

Eine Spitzen-Idee. Und im Prinzip natürlich eine komplett paradoxe, wenn eine Großstadt via globalem Netzwerk wieder zum Dorf wird, wenn Nachbarn, die sich im Stiegenhaus nie treffen oder kaum grüßen, sich schließlich übers Internet kennen lernen und via World Wide Web über Angelegenheiten kommunizieren, die ihr unmittelbares Lebensumfeld betreffen.

Aber es ist eben leichter, via eMail oder in einem Forum Kontakt aufzunehmen, als konkret an eine fremde Tür zu klopfen. Jedenfalls ermöglicht die Plattform Kommunikation über Dinge, die die Nachbarschaft oder auch das Wohnhaus betreffen: Wer was zu verleihen hat, wer dringend eine Sache vorübergehend braucht, welcher Nachbar bereit ist, die Blumen zu gießen oder die Katze zu füttern, wenn man nicht da ist. Oder wenn der Aufzug schon wieder nicht funktioniert, wenn irgendwer im Hof die Müllcontainer-Deckel immer nicht zuklappt, wenn man eine Lösung finden muss für Fahrräder und Kinderwägen. Bis man eine Hausversammlung zusammengetrommelt hat, das dauert, ein Internet-Forum dagegen ist schnell organisiert und es müssen keine Terminkalender koordiniert werden. Nicht unwahrscheinlich, dass derlei schon bald zum Standard für Wohnhäuser wird. Bis dahin frag fragnebenan.at.

doris.knecht Doris Knecht

(kurier) Erstellt am
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