über "The Voice of Germany"
11/15/2013

Hauptsache, du berührst ihr Herz

von Doris Knecht

Hauptsache, du berührst ihr Herz

Doris Knecht | über "The Voice of Germany"

Am Abend wird die Familie wieder „ The Voice of Germany“ schauen. Man wird wieder sagen, dass einen das nicht interessiert, dann wird man doch vor dem Fernseher picken. Und sich verstohlen die Rührung aus den Augen wischen.

The Voice of Germany“, wer’s nicht kennt, ist ein vergleichsweise lässiges Casting-Show-Format. Jetzt im Gegensatz zu „Deutschland sucht Superstar“, oder „ Germanys Next Top Model“ oder „Austria’s Next Topmodel“. Denn nachdem die Hosts und Jurys dieser Shows – vor allem der ersten – jahrelang junge Menschen fertig gemacht, entmutigt, verspottet, verhöhnt und gedemütigt haben, hat sich endlich irgendwer gedacht: Lass uns das doch anders machen. Genau umgekehrt. Lass uns nicht auf den Makeln herumreiten, sondern das Gute loben wie verrückt, und lass uns nicht den sicheren, glatten, austauschbaren Mainstream von der Stange suchen, sondern die Unterschiede feiern, das Andere , das Besondere finden.

Das ist natürlich auch hinsichtlich dessen ein erfolgsversprechendes Konzept, als das Publikum solcher Shows zu einem erheblichen Teil aus nicht perfekten jungen Individuen besteht, sondern aus Menschen mit Träumen und Sehnsüchte und Defiziten. Denen ist es letztlich lieber, wenn andere stellvertretend für sie zumindest einen dieser Träume wahr machen können. Anstatt dafür, dass man es versucht, fertig gemacht und mit Fußtritt hinausgeworfen zu werden.

Folgerichtig sind die derzeitigen Stars von TVOG eine schüchterne, glatzköpfige, bis zum Kinn tätowierte junge Frau und ein kleiner, dicker, kurzsichtiger Bursche mit fliehender Stirn. Und einer wirklich großen Stimme. Und man muss sagen: das ist eigentlich die Idee von Rock’n’Roll. Im Rock’n’Roll, im echten, hat es immer eine untergeordnete Rolle gespielt, wer du bist und wie du aussiehst, Hauptsache du rockst – oder berührst das Herz des Mädchens. Auch wenn TVOG nur eine Casting-Show ist: Ich leg schon mal die Taschentücher bereit.

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