über das Einfache
06/14/2015

Kleine Ergänzung zur Ode ans Einfache

von Doris Knecht

Notiz für nächstes Jahr: kein Holunderblüten-Sirup, fix.

Doris Knecht | über das Einfache

Vor gar nicht langer Zeit wurde hier die Köstlichkeit des Einfachen besungen, im Kontext mit einem Schnittlauchbrot. Nun, da ich ein Glas mit frisch aufgegossenem, selbst gemachtem Holunderblüten-Sirup genießen durfte, möchte ich dieses Lob etwas, nun ja, ergänzen.

Es ist so. Für knapp acht Liter Sirup hirscht man zuerst stundenlang mit der Nagelschere durch den Wald und schneidet Holunderblüten, natürlich nur die besten. Die besten sind meistens voller Läuse, die offenbar auch Feinschmecker sind, also weg damit. Hat man genug gesammelt, rührt man vier Kilo Zucker in sechs Liter Wasser, lässt es aufkochen und wieder abkühlen und gießt das dann zusammen mit Zitronenscheiben, Zitronensäure und den Blüten in riesige Gurkengläser. Legt man dann einfach, wie im Rezept vorgeschlagen, ein Tuch darüber und lässt das ein paar Tage stehen, kann man es danach gleich in den Gulli schütten, weil die oben schwimmenden Zitronenscheiben geschimmelt haben werden.

So war es letztes Jahr, heuer wurden die Zitronen in die Flüssigkeit gedrückt, und ob das an den oben schwimmenden Blüten Schimmel war, kann ich nicht genau sagen, denn ich habe sicherheitshalber die Brille nicht aufgesetzt. Dann muss man die alten Flaschen waschen und pasteurisieren, etwa in dem man sie zehn Minuten in den heißen Ofen legt, wobei man sich allerdings gewahr sein sollte, dass heutzutage die Schnappverschlüsse dieser Flaschen nicht mehr aus Porzellan sind, sondern aus Plastik.

Hätte man die Brille aufgehabt, hätte man dann nicht ins Lagerhaus fahren müssen, neue Flaschen kaufen. Schließlich füllt man den Sud durch ein Tuch in die Flaschen ab, was bei gewissen Personen in einer von oben bis unten pickerten Küche endet.

Aber dann, das erste Glas vom eigenen Holundersirup: und er schmeckt etwa halb so gut wie der von der Supermarkt-Billigmarke, wird aber im Unterschied zu diesem in etwa einem Monat Schimmel ansetzen.

Notiz für nächstes Jahr: kein Holunderblüten-Sirup, fix.