über die Mariahilfer Straße
08/13/2013

Unvorstellbar seit 1975

von Doris Knecht

Etwas Gewohntes zu ändern ist immer schwierig

Doris Knecht | über die Mariahilfer Straße

Countdown für die neue Mariahilfer Straße: Mittwochabend wird sie für den Autoverkehr gesperrt. Nach wie vor gibt es dagegen Einwände, viele können sich das noch nicht vorstellen: Vor allem auch Anrainer aus Nebengassen, die es gewohnt sind, mit dem Auto zu fahren und die zudem vor ihren Wohnungen eine Zunahme des Verkehrs befürchten.

Es wurde an dieser Stelle schon einmal an Kärntner Straße und Graben erinnert: Auch die war in den frühen Siebzigerjahren ohne Autoverkehr und Kreuzung direkt am Stephansplatz kaum vorstellbar. 1974 wurde dennoch die Fußgängerzone errichtet und etwa seit 1975 kann sich keiner mehr vorstellen, dass dort je Autos fahren durften. So wird es auch in der Mariahilfer Straße sein.

„Das System ist enorm flexibel“, sagt der Verkehrsplaner Harald Frey von der TU Wien in einem Interview mit der Presse. Es werde nicht eintreten, was viele fürchten: längere Staus und mehr Verkehr rund um die Mariahilfer Straße. Denn diese Prognosen berücksichtigten nicht „Änderungen des Verhaltens“, meint Frey, speziell wenn Sperren lange angekündigt sind. Das exakte Gegenteil werde eintreten, denn: „Überall, wo man Kapazitäten für den motorisierten Individualverkehr reduziert hat, haben wir jetzt weniger Stau. Und umgekehrt, siehe Südautobahn.“ Schnelle Verkehrssysteme seien in der Summe nicht schneller, und Tempo 30 – das demnächst in der Gumpendorfer Straße gilt – mache Fahrzeiten nicht länger: „Die Autos sind in ganz Wien heute genauso schnell wie Kutschen vor 100 Jahren.“ Und wenn den Menschen klar sei, dass man in einer bestimmten Gegend mit dem Auto nicht gut weiterkommt bzw. es nicht einfach abstellen kann, würden sie automatisch Alternativen finden: So wie beim ersten Bezirk, der heute zu 95 Prozent öffentlich angefahren wird.

Etwas Gewohntes zu ändern ist immer schwierig. Aber es lohnt, sich darauf einzulassen, siehe Graben und Kärntner Straße: Denn manchmal ist das Neue tatsächlich das Bessere.

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